Erste Impressionen und Flucht vor dem Wetter

was bisher geschah

Die Reise beginnt, wie schon der Ausflug nach Quedlinburg, wieder am Hauptbahnhof, zwar immer noch nicht im eigenen Abteil, dafür aber in der ersten Klasse. Langsam pirschen wir uns an den Reiskomfort des St. Arnaudschen Ehepaars heran. Die Vorteile liegen auf der Hand, mehr Platz, Getränke werden auf Wunsch und ein geringes Entgelt an selbigen gebracht und man bekommt für gutes Benehmen und, weil wir der DB am Herzen liegen, sogar kleine, goldene Schokotäfelchen. So macht das Reisen Spaß und die Zeit vergeht wie im Flug, allerdings bleibt mir genug Zeit, die Menschen zu bemitleiden, die sich einreden, zu fliegen sei komfortabler.

Reiselektüre

Als Reiselektüre habe ich Der Stechlin gewählt, ein ausgesprochen passender Roman, denn in ihm wird gereist, was das Zeug hält, von der Mark nach Berlin und wieder zurück, Abstecher nach London und Italien sind auch dabei. Es wird sich im Roman intensiv über Reiseerfahrungen ausgetauscht und das Erlebte verglichen.

Nach nur vier Stunden steigen wir im eindrucksvollen Frankfurter Kopfbahnhof entspannt aus und machen uns auf dem Weg zum Hotel. Das ist nicht weiter der Rede wert, außer dass es im Frankfurter Rotlichtviertel gelegen ist, ganz malerisch neben der Drogenberatungsstelle und der Suppenküche. Aber das Hotelpersonal ist nett und bemüht und löste das Problem des nicht schließenden Fensters auf ebenso unterhaltsame wie pragmatische Weise: Das Fenster wird zugeschraubt, der Griff abmontiert und der Hausmeister verlässt uns mit den Worten, dass wir bei Bedarf das andere Fenster nutzen sollten. Immerhin zieht es nicht mehr und wir beschließen zu bleiben.

Kurz darauf machen wir uns auf den Weg in die Innenstadt, um dem eigentlichen Grund unserer Reise den ersten Besuch abzustatten, der neuen Altstadt von Frankfurt. Ich bin sofort begeistert und finde die Mischung von originalgetreu rekonstruierten Häusern und historisch inspirierten Neubauten nicht nur ausgesprochen gelungen, sondern auch deutlich passender als diese riesigen Glastürme, die Frankfurt den Beinamen Mainhattan verpasst haben.

Bevor ich mich noch weiter in solche Betrachtungen vertiefen kann, zwingt uns die Witterung und die einbrechende Dunkelheit dazu, noch fix der Zeil einen Besuch abzustatten, um noch Kleinigkeiten für einen gelungene Aufenthalt zu besorgen. Außerdem müssen wir ja abends ins Schauspiel Frankfurt und davor noch etwas essen.

Nach einem kurzen Abstecher ins Hotel, um unsere Einkäufe abzuladen, entschließen wir uns, in dem dem Theater angeschlossenen Restaurant „Fundus“ zu essen, die Karte wirkt vielversprechend und der Wind peitscht über den Theatervorplatz und treibt uns förmlich in das Lokal. Drinnen ist es gemütlich und dank des Fensterplatzes können wir den Frankfurtern und den Touristen dabei zugucken, wie sie vom Wind über den Platz geschoben werden. Rosé, Tartar und Schnitzel sind vorzüglich, so gestärkt freuen wir uns auf Emilia Galotti.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.