Autor: Roland Berbig

Was hat Fontane in der Schule zu suchen – oder wen?

Es sind die leichtesten Fragen, für die Antworten fehlen. Oder die so verstaubt scheinen, dass man bereut, gefragt zu haben. Gehört die nach „Fontane in der Schule?“ dazu? Ach, ich sehe sie schon, die vielen Bildungs- und Kulturpolitikbeflissenen, wie sie die Ärmel hochkrempeln und loslegen. Da wirbelt es nur so von „Frauengestalten“, „Berlin-Romane“, „Chronist der deutschen Metropole“, „märkischem Wanderer“ und „Preußenkritiker“. Man zeigt auf die „Fontane-Stadt“ Neuruppin, die einen eigenen „Fontane-Botschafter“ berufen hat, zählt die „Fontane-Apotheken“ auf und hebt den Finger, um gleich zwei Fontane-Literaturpreise ins argumentative Feld zu führen. Wenn man sich dann seiner Sache gewiss in der Runde umsieht, steht in der letzte Reihe vielleicht jemand auf und fragt: „Und was aber hat das alles mit der Schule und was mit uns zu tun?“ Es mag sein, dass der wackere Wortführer oder die nicht minder wackere Wortführerin dann etwas von „Kanon“ schwadroniert und „Bildungsgut und -auftrag“, aber beide spüren, so recht überzeugend klingt das nicht, nicht einmal in ihren Ohren.

In der S-Bahn erzählte mir eine lebenswache Schülerin (9. Klasse) von Deutschstunden, in denen Podien eingerichtet und argumentatives Diskutieren eingeübt werden.  Ein Für und Wider setzt Stoff voraus. Welcher Fontane-Stoff bietet sich 2018/19 an? An überlieferten Texten besteht keinerlei Mangel. Wer will, kann Fontane rund um die Uhr lesen – das Internet entfaltet seine ganze unbegrenzte Großzügigkeit. Da sind die Romane, da ist die Lyrik , da sind die märkischen Bilder.  Alles bequem zugänglich, bei aller Vorsicht, die die Textangebote im Netz immer gebieten. Weniger leicht zugänglich ist, was in den letzten Jahren die Fontane-Welt zunehmend interessiert hat: sein facettenreiches journalistisches Werk.

Der seinen beruflichen Lebensweg als Apotheker begann und als Romancier beendete, war den Großteil seiner Schreibjahre nämlich Journalist. Seine Feder – eine Gänsefeder, die er sich selbst passgerecht schnitt – tauchte über Jahrzehnte hin tief in die Tinte, um nicht zu zählende Zeitungsspalten zu füllen. Das reichte von der kleinen Lokalnotiz über zusammengeflickte Auslandskorrespondenzen bis hin zu Theaterkritiken und ausgedehnten Feuilletons. Die medialen Möglichkeiten seiner Zeit studierte er, in dem er sie praktizierte. Schreiben war ihm derart Bedürfnis, dass er, war das Tagwerk getan, die Feder nicht reinigte, sondern weiter über’s Papier gleiten ließ. Was dabei entstand, war ein Briefwerk, in dem vielleicht die schönsten Wort- und Satzpassagen zu finden sind, die er je geschrieben hat.

Moment: Mit solcher Aufzählung lässt sich kein Deutschstunden-Podium bestreiten und Pro-und-Kontra nicht austragen. „Meinen Sie, was wir alles schreiben, wie der Tag lang ist, von der Nacht zu schweigen!“

Also gilt es genauer hinzusehen: Was hat es mit einem jungen Kerl auf sich, der statt Rezepturen zu büffeln, Verse verreimt? Wie steht es mit einem selbstgewissen Burschen, der plötzlich in eine literarische Vereinigung gerät, die aus zukünftigen Ministern, jüdischen Reformpolitikern, genialen Malern und Kammergerichtsräten besteht? Was fangen wir mit so einem an, der März 1848 auf rasch errichteten Barrikaden demokratisch-revolutionär herumturnt, um ein paar Monate später in die konservative Ministerialpresse zu stolpern? Wohin verschlägt es uns, wenn wir mit ihm gleich dreimal nach London reisen, um das letzte Mal für ein paar Jahre in der Weltmetropole des 19. Jahrhunderts zu bleiben? Wir, die wir neuseeländische Naturparks durchwandert haben, von südfranzösischen Landschaften verzaubert wurden und nur schlurfend-widerwillig Tagesausflügen durch märkischen Sand und Kieferngestrüpp zustimmen, was ist uns jene Verklärung der Mark Brandenburg, wie sie Fontane betrieb? Und lesen wir dann auch noch von allerlei Wankelmut im politischen Urteil und preußischer Zu- wie borussischer Abneigung, ganz zu schweigen von einigen antijüdischen Bemerkungen in seiner Privatkorrespondenz – ja, was sollen wir zu all dem sagen: 2018/19?

Fontane in der Schule – heute. Vielleicht beginnt er genau bei dieser Frage. Ihr ist erst einmal kräftig Leben einzuhauchen: mit Zitaten aus diesem bunten Schreibwerk, mit Lebensbildern aus diesem nicht minder bunten Dasein und mit Warnsignalen vor platten Lobes- und Ruhmesfloskeln. Was Fontane ‚ist‘, ist er durch unsere Lektüre heute. Glauben wir, dass die Schule ein geeigneter Ort sei, Dichterverehrung zu betreiben, dann lassen wir Fontane besser aus dem Spiel. Setzen wir allerdings auf anregendes Lesen und auf voraussetzungsfreie Lust, diesen Schreibwelten auf die Schliche – und, das auch, auf ihre Schönheiten zu kommen, dann, ja dann könnte etwas glücken.

Und der Fontane säße plötzlich nicht mehr auf einem eisernen Podest, sondern mit uns am Podiumstisch und gesellte sich unter uns in den Kreis von Diskutanten. Wäre das eine Aussicht? Auf unser Wort so neugierig, wie wir auf seins …?

Fontane: Heute – allseits und allzeit …

Das lässt mich nicht los: Auf der zweiten Beiratssitzung im Oktober 2017 – wir berieten das Neuruppiner-Ausstellungskonzept  von Frau Prof. Gefrereis – kam (aus dem Off, wer weiß) die Frage: Gibt es eigentlich eine Botschaft, irgendetwas, das wir heute, ganz zwingend mit Fontane verbinden? Oder ist der Wirbel, der sich abzeichnet, nichts als Kulturmarketing? 200 Jahre Fontane – ja, und …? Lesen

Fontane – in effigie

Freitag, 9. Februar 2018: Mein beiläufig im BLOG-Seminar hingeworfene Bemerkung, ich ‚hätte – zeichnerisch – einen Fontane drauf‘, wirkt nach. Ich schiebe den Gedanken, etwas für den Blog zu zeichnen, hin und her – und endlich, kurz entschlossen, rücke ich einen Stuhl an den Tisch, breite zwei, drei Blätter aus und beginne ‚meinen Fontane‘ zu skizzieren. Gleich mit einem fetten schwarzen Filzstift. Riskant. Was aufs Papier kommt, gefällt mir nicht.

Dann ein weiterer Versuch, nun mit Blei. Alles gerät feiner, strichliger, ob besser, ich bin mir unsicher.

Das wirkt blass – ich kopiere das Blatt. Besser?

Das Seminar soll entscheiden am Dienstag – oder Herr Wattig, dem ich die Blätter gescannt ins Wochenende sende.

Fontane-Blog – Roter Knopf und Start

Als gestern in der Berliner Vertretung des Landes Brandenburg die Staatssekretärin, Frau Dr. Gutheil, auf den roten Knopf zum Launch der Webseite zum Fontanejahr 2019 drückte, da dachte ich: Sollte unser Fontane-Blog, an dem im Verlauf des laufenden Wintersemesters an der Humboldt-Universität gebastelt wurde, nicht auch aus den Startblöcken gehen? Noch ist alles Gerüst, man riecht die Farbe, sieht Handwerkzeug herumliegen. Aber die Rubriken stehen, erste Ängste sind überwunden, weiteres Material ist in Vorbereitung. Wer lernt, zahlt Lehrgeld – es kommt darauf an, dass die Freude an der Sache bleibt. Und die Sache hat einen Namen: Theodor Fontane. Dessen Leben endete 1898, aber ist – glücklicherweise – längst nicht zu Ende.

Der Blog, eine Initiative der Theodor Fontane Gesellschaft, lädt ein, sich zu beteiligen. Das ist sein Wesen. Die Rubriken brauchen Stoff, sie brauchen Kundige und Kenner. Doch nicht minder benötigen sie Fontane-Lustige und -Launige. Hier soll Fontane-Wissen umgeschlagen werden, aufbereitet oder als Rohstoff. Bunt und nicht langweilig, nützlich für Schule, Studium und Liebhaberei, unnütz zu fröhlichem Zeitvertreib.

An Ideen mangelt es nicht. Die Studierenden arbeiten sich ein, mit Neugier und wachsender Energie. Lernen und gleich schreiben, ein Risiko, was sonst. Doch mit den ersten Proben wächst das Zutrauen und der Spaß an der Doppelrolle: ich schreibe zu Fontane, was ich gerne lesen möchte. Neuigkeiten, im Internet Aufgefischtes, Leseeindrücke, Bücher, Texte, Zitatfunde etc. Das Handy als Fotoapparat und Notizbuch, mediale Phänomene, die sich im eigenen Alltag gut eingerichtet haben und immer griffbereit sind.

Längst dem ‚Blogger-Alter‘ entwachsen, spürte ich selbst bei der Arbeit im Seminar zunehmend Spaß. Ich entdeckte eine neue Schreib- und Darbietungsform, einüben war nötig – und ist noch immer nötig. Als mir der Gedanke einer Rubrik „Fontane-Forscher“ gekommen, stellte sich ein besonderer Reiz ein. Alte Unterlagen, Ordner, Fotokästen gerieten plötzlich wieder in Griffnähe, ich begann zu blättern, zog einiges heraus und schnitt es zurecht für diesen Blog. Testläufe, Proben, kurze Erinnerungsskizzen, Dokumente, Zeugnisse von unterschiedlichem Gewicht.

Der rote Knopf, mit dem dieser Blog ins unkalkulierbare Offene geschickt wird, ängstigt mich ein wenig. Vielleicht auch die bis jetzt Beteiligten. Doch ohne ihn zu drücken, geht es nicht. Mit ihm wird nicht nur das, was bis jetzt zusammengekommen ist, in die ‚Welt‘ entlassen – mit ihm wird vor allem die Tür weit geöffnet für Gäste. Sie sind willkommen, ihr Mittun ist unentbehrlich, ihre Beteiligung eigentlicher Anlass dieses Blogs.

Stellen Sie sich also einen roten Knopf vor, der eben in diesem Moment gedrückt wird. Treten Sie ein!

Pressekonferenz fontane.200 – Impressionen

Das nahe Semesterende und die mit ihm einhergehenden Zusatztermine konnte mich nicht abhalten: Ich wollte bei der gestrigen Pressekonferenz anlässlich des Launches der Webseite zum Fontanejahr 2019 dabei sein. Als Sprecher des Wissenschaftlichen Beitrags stand ich ohnedies gewissermaßen in der Pflicht.

Der strömende Regen auf dem Weg dorthin ließ mich allerdings hadern: am Entschluss, an der Adresse der Landesvertretung Brandenburg „In den Ministergärten“ und am rechten Weg – den ich auch erst einmal verfehlte. Dann aber ein ganz unberlinischer Pförtner, der mich wegen der Verspätung nicht maßregelte, stattdessen zwei, drei Fingerzeige und etwas Glück. Ich fand einen guten Platz, vor mir ein langer Tisch, Mikrophone, Getränke, Kaffeekannen. Zum Glück hatte ich im Institut rasch noch einen Schlips angelegt – die Hauptakteure (vom Fontane-Botschafter der Stadt Neuruppin abgesehen, der darin vermutlich im Trend liegt) hatten das, was man früher „in Schale geworfen“ nannte. Ich gestehe: ganz in meinem Sinne. Der Anlass war nicht ohne Würde, und das bisher Geleistete verdiente Respekt, auch sichtbaren.

Mein Platz war ausgezeichnet. Zum Greifen nah der rote Knopf auf der Leinwand, mit dem die Webseite ‚eröffnet‘ wurde. Ich konnte die Gesichter aller Beteiligten sehen, sie spiegelten schöne Anspannung, nichts von Blasiertheit oder Pflichtübung. Niemand in der Runde schwatzte oder schwadronierte, man wollte Bescheid geben und Bescheid wissen. Die versammelte Presse verfolgte aufmerksam, was ihnen berichtet wurde. Unversehens war ich am rechten Ort und mittendrin.

Nachgerade eine Freude die wunderbare Moderation von Frau Faber-Schmidt. Keine Floskeln, kein zeitdehnendes Gerede, alles auf den Punkt. So wünscht man es sich und genießt, darf man’s einmal erfahren. Die Freude hielt an. Frau Barz, die ich vor ein paar Jahren in die Fontane-Welt locken durfte (Georg Brandes war der ‚Angelhaken‘), strahlt ein Unmaß an Liebe zur Sache aus: diese Ausstellung zum Wanderer in Potsdam, sie muss glücken. Zehn Minuten benötigt sie, um die Anwesenden von ihrem Konzept und sie vor allem von dessen Gegenwartsfrische zu überzeugen. Fontane saß neben der engagiert Vortragenden – und von Zeit zu Zeit raunte er ihr ein paar Sätze zu, die sie zur Freude aller im Raum weiterreichte. Fontane ist, wir wissen es, nicht frei von unbedenklichen Seiten (die niemand wegdrückte und denen auch noch einmal nachgefragt wurde), aber ohne Bedenken dürfen wir auf seinen Humor bauen. Er verfehlt nur die, die kein Herz haben. Wichtigtuerei, sie war ihm ein Graus – und so hätte ihm das Ganze durchaus behagt. Denn wichtig tat fast niemand, und Sprechblasen blieben eine Ausnahme. Wer tief  im politischen Geschäft ist, entkommt dem, so scheint’s, nur schwer.

Vergnügen dürfte Fontane an den Charakteren gehabt haben, die sich seiner hier annahmen: hier die von ihrer Sache beseelte Frau Barz, der darüber die latente Prüfungssituation völlig vergisst, dort der Neuruppiner Bürgermeister, der immer ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudert und dem das Wort „Fontane“ wahrscheinlich schon Ohrenziehen bereitet, hier der drahtige Herr Zetzsche, regionalpolitisch beschlagen und von vermutlich ewiger Jugendlichkeit, dort Herr Winkler, seriös, erfahren, einem, dem man nichts vormacht, der aber auch anderen nichts vormacht – und endlich Herr Trilcke: eben noch Bewerber um die so verlockend gepriesene Juniorprofessur mit einem Personalarchiv im Rucksack, der die heitere Lust nicht verlieren möchte, obwohl sich harte Lasten auf seine Schultern legen … Der den digitalen Jargon beherrscht und ihn doch so leicht handhabt, dass man dessen Zauber, der ihn erzeugte, zu ahnen beginnt.

Die Stunde verging – und wäre nicht der Mann neben mir gewesen, der keine zwei Minuten ohne iPhone-Kontrolle durchhielt und offenbar beständig Gefahr lief, Wichtiges zu versäumen, dann hätte ich alle eigenen Geschäfte vergessen: und wäre gerne noch in dieser Fontane-freundlichen Gesellschaft geblieben.

Pressekonferenz fontane.200

In den Ministergärten 3 – das ist der Sitz der Landesvertretung Brandenburg in der Bundeshauptstadt, und gestern war es der Ort, in dem ein roter Knopf gedrückt wurde: Mit ihm schaltete die Staatssekretärin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Frau Dr. Ulrike Gutheil die Website www.fontane-200.de online. Ein Ereignis von gesellschaftlicher Tragweite. Es brauchte seinen würdigen Rahmen und fand ihn mit einer gut besuchten Pressekonferenz, zu der die Brandenburgische Gesellschaft für Kultur und Geschichte gGmbH, Kulturland Brandenburg und das fontane.200/Büro geladen hatte. 2019 jährt sich Fontanes Geburtstag zum 200. Mal (ist man korrekt, muss man den Tag der Geburt mitzählen – also zum 201. Mal …) – und das Land Brandenburg hatten allen Grund, dieses Schriftsteller, der nicht zu Unrecht als „Sänger der Mark Brandenburg“ in die Geschichte eingegangen und gegenwärtig ist, zu gedenken. Auf welche Weise das geschehen soll, darüber wurde informiert – und die informierten, war dazu bestens berufen: Frau Dr. Christine Barz, Gesamtkuratorin fontane.200 und der Fontane-Ausstellung in Potsdam. Herr Dr. Peer Trilcke, Direktor des Theodor-Fontane-Archivs, Jens Golde, Bürgermeister von Neuruppin mit Herrn Mario Zetzsche, seines Zeichens – tatsächlich! – „Fontane-Botschafter“ in Fontanes Geburtsort, Herrn Dr. Konrad Winkler, der als Direktor des Hauses der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte zusammen mit seiner Geschäftsführein, Frau Faber-Schmidt, die Fontane-Inititiativen seines Hauses und des Landes betreut. Frau Faber-Schmidt war als Moderatorin ein Glücksfall – wach, kompetent, aufmerksam und liebenswürdig. Und professionell wie alle im Kreis. Der Tagesspiegel druckt in seiner heutigen Ausgabe einen einen gut informierenden Bericht über die Pressekonferenz. Wer prüfen möchte, ob der (virtuelle, versteht sich!) rote Knopf funktioniert hat, hier der Link zur Webseite: https://fontane-200.de/de/.

Wer schnell einen Blick in die gestern verteilte Pressemappe werfen möchte: Pressekonferenz – Unterlagen,31.1.2018 #

Siehe auch: http://www.mwfk.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.548316.de.

Logbuch – Eintrag Nummer 1

Der erste Eintrag im Logbuch!  Dabei läuft die Arbeit am Fontane-Blog schon seit Oktober 2017, seit Beginn des Semesters also. Jeden Dienstag treffen wir uns um 14 Uhr, ein kleiner Kreis, ein Seminarraum über den Dächern von Berlin, unterwegs in ein Neuland. Fontane und Blog: das waren die beiden Schlagworte, Lockrufe gewissermaßen. Neugier auf allen Seiten, keine Posen, weder auf der Fontane-Wissensseite noch auf der der Blog-Erfahrenen. Die technische Kompetenz liegt in professioneller Hand. Leander Wattig arbeitet seit Jahren in dieser multimedialen Welt, er kennt sich aus. Ihm sind seine Kenntnisse etwas zum Weitergeben. Für „Fontane“ bin ich zuständig – jedenfalls für Einführung und Rahmung, für Ideen und Brückenschläge, theoretisch wie praktisch. Das Medium reizt mich, ich weiß nicht, wo es mich hinführt – jede Sitzung bleibt ein Abenteuer. Das Wissen, um das es in den bisherigen Sitzungen gegangen ist, gebärdet sich unberechenbar. Es springt von Details aus Fontanes Familiengeschichte zum Platzieren von Dokumenten im Blogbeitrag. War es eben noch mit Bildrechten beschäftigt, wendet es sich unversehens der Frage nach Fontane-Institutionen zu.  Blättern wir gerade noch im bibliographischen Fontane-Universum, sitzen wir wenige Augenblicke später über eine Theaterbesprechung eines Fontane-Abends in der „Schaubühne“. Wir haben nicht selten Spaß – aber wohin wird uns dieser Spaß in der Sache bringen: und wie weit?

Heute stelle Hanna ihre Blog-Reaktion auf die Webseite des Brandenburger Büros „fontane.200“ zur Diskussion. Mit Vorwarnung: „sarkastisch“ falle ihre Ton ab und an aus. Wir gehen die Sätze durch, wir gehen die Sache durch. Wir prüfen die Links, wir wechseln die Seite, sind Nutzer. Ist die Tonlage bissig oder doch nur kritisch, wie es sich gehört? Welche Sprachgestus ist angemessen? Christine hat sich den literarischen Verein „Tunnel über der Spree“ vorgenommen – Fontane und Menzel. Das könnte reizen – sie allemal. Und sie ahnt das viele bekannte Wissen, das sie nicht kennt. Den zehnten Schritt vor dem ersten? Und während wir diskutieren, entstehen kleine Beitragsinseln: hier Links zu längst aufbereitetem und bereitstehendem Fakten, dort unveröffentlichtes Bildmaterial aus dem Tunnel-Archiv und hier ein winziges Kapitel Berliner Germanistik-Forschungen. Ein Gemisch eigener Qualität, glückt es.

Ich lerne mit jeder Sitzung und lehre dabei. Heute: dass ein Blogbeitrag kein Essay sein soll. Das muss ich probieren, eine neue Art Schreiben, sie erscheint mit gewagt, aber ein Wagnis, das mich lockt. Aus Regalen und Schränken habe ich verstaubtes Material meiner Fontane-Welten hervorgekramt. Wie kriege ich, was ich da finde, in die Rubrik „Fontane-Forscher“? Die ersten Versuche geraten zu Erinnerungstexten, wuchern durch den Stil, den ich wähle. Ich muss einen finden, der sich aus diesem Zwang löst – und sich den Fundstücken anvertraut, umstandslos, frisch und, ja unbekümmert auch.