Logbuch – Eintrag Nummer 1

Der erste Eintrag im Logbuch!  Dabei läuft die Arbeit am Fontane-Blog schon seit Oktober 2017, seit Beginn des Semesters also. Jeden Dienstag treffen wir uns um 14 Uhr, ein kleiner Kreis, ein Seminarraum über den Dächern von Berlin, unterwegs in ein Neuland. Fontane und Blog: das waren die beiden Schlagworte, Lockrufe gewissermaßen. Neugier auf allen Seiten, keine Posen, weder auf der Fontane-Wissensseite noch auf der der Blog-Erfahrenen. Die technische Kompetenz liegt in professioneller Hand. Leander Wattig arbeitet seit Jahren in dieser multimedialen Welt, er kennt sich aus. Ihm sind seine Kenntnisse etwas zum Weitergeben. Für „Fontane“ bin ich zuständig – jedenfalls für Einführung und Rahmung, für Ideen und Brückenschläge, theoretisch wie praktisch. Das Medium reizt mich, ich weiß nicht, wo es mich hinführt – jede Sitzung bleibt ein Abenteuer. Das Wissen, um das es in den bisherigen Sitzungen gegangen ist, gebärdet sich unberechenbar. Es springt von Details aus Fontanes Familiengeschichte zum Platzieren von Dokumenten im Blogbeitrag. War es eben noch mit Bildrechten beschäftigt, wendet es sich unversehens der Frage nach Fontane-Institutionen zu.  Blättern wir gerade noch im bibliographischen Fontane-Universum, sitzen wir wenige Augenblicke später über eine Theaterbesprechung eines Fontane-Abends in der „Schaubühne“. Wir haben nicht selten Spaß – aber wohin wird uns dieser Spaß in der Sache bringen: und wie weit?

Heute stelle Hanna ihre Blog-Reaktion auf die Webseite des Brandenburger Büros „fontane.200“ zur Diskussion. Mit Vorwarnung: „sarkastisch“ falle ihre Ton ab und an aus. Wir gehen die Sätze durch, wir gehen die Sache durch. Wir prüfen die Links, wir wechseln die Seite, sind Nutzer. Ist die Tonlage bissig oder doch nur kritisch, wie es sich gehört? Welche Sprachgestus ist angemessen? Christine hat sich den literarischen Verein „Tunnel über der Spree“ vorgenommen – Fontane und Menzel. Das könnte reizen – sie allemal. Und sie ahnt das viele bekannte Wissen, das sie nicht kennt. Den zehnten Schritt vor dem ersten? Und während wir diskutieren, entstehen kleine Beitragsinseln: hier Links zu längst aufbereitetem und bereitstehendem Fakten, dort unveröffentlichtes Bildmaterial aus dem Tunnel-Archiv und hier ein winziges Kapitel Berliner Germanistik-Forschungen. Ein Gemisch eigener Qualität, glückt es.

Ich lerne mit jeder Sitzung und lehre dabei. Heute: dass ein Blogbeitrag kein Essay sein soll. Das muss ich probieren, eine neue Art Schreiben, sie erscheint mit gewagt, aber ein Wagnis, das mich lockt. Aus Regalen und Schränken habe ich verstaubtes Material meiner Fontane-Welten hervorgekramt. Wie kriege ich, was ich da finde, in die Rubrik „Fontane-Forscher“? Die ersten Versuche geraten zu Erinnerungstexten, wuchern durch den Stil, den ich wähle. Ich muss einen finden, der sich aus diesem Zwang löst – und sich den Fundstücken anvertraut, umstandslos, frisch und, ja unbekümmert auch.

 

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