Pressekonferenz fontane.200 – Impressionen

Das nahe Semesterende und die mit ihm einhergehenden Zusatztermine konnte mich nicht abhalten: Ich wollte bei der gestrigen Pressekonferenz anlässlich des Launches der Webseite zum Fontanejahr 2019 dabei sein. Als Sprecher des Wissenschaftlichen Beitrags stand ich ohnedies gewissermaßen in der Pflicht.

Der strömende Regen auf dem Weg dorthin ließ mich allerdings hadern: am Entschluss, an der Adresse der Landesvertretung Brandenburg „In den Ministergärten“ und am rechten Weg – den ich auch erst einmal verfehlte. Dann aber ein ganz unberlinischer Pförtner, der mich wegen der Verspätung nicht maßregelte, stattdessen zwei, drei Fingerzeige und etwas Glück. Ich fand einen guten Platz, vor mir ein langer Tisch, Mikrophone, Getränke, Kaffeekannen. Zum Glück hatte ich im Institut rasch noch einen Schlips angelegt – die Hauptakteure (vom Fontane-Botschafter der Stadt Neuruppin abgesehen, der darin vermutlich im Trend liegt) hatten das, was man früher „in Schale geworfen“ nannte. Ich gestehe: ganz in meinem Sinne. Der Anlass war nicht ohne Würde, und das bisher Geleistete verdiente Respekt, auch sichtbaren.

Mein Platz war ausgezeichnet. Zum Greifen nah der rote Knopf auf der Leinwand, mit dem die Webseite ‚eröffnet‘ wurde. Ich konnte die Gesichter aller Beteiligten sehen, sie spiegelten schöne Anspannung, nichts von Blasiertheit oder Pflichtübung. Niemand in der Runde schwatzte oder schwadronierte, man wollte Bescheid geben und Bescheid wissen. Die versammelte Presse verfolgte aufmerksam, was ihnen berichtet wurde. Unversehens war ich am rechten Ort und mittendrin.

Nachgerade eine Freude die wunderbare Moderation von Frau Faber-Schmidt. Keine Floskeln, kein zeitdehnendes Gerede, alles auf den Punkt. So wünscht man es sich und genießt, darf man’s einmal erfahren. Die Freude hielt an. Frau Barz, die ich vor ein paar Jahren in die Fontane-Welt locken durfte (Georg Brandes war der ‚Angelhaken‘), strahlt ein Unmaß an Liebe zur Sache aus: diese Ausstellung zum Wanderer in Potsdam, sie muss glücken. Zehn Minuten benötigt sie, um die Anwesenden von ihrem Konzept und sie vor allem von dessen Gegenwartsfrische zu überzeugen. Fontane saß neben der engagiert Vortragenden – und von Zeit zu Zeit raunte er ihr ein paar Sätze zu, die sie zur Freude aller im Raum weiterreichte. Fontane ist, wir wissen es, nicht frei von unbedenklichen Seiten (die niemand wegdrückte und denen auch noch einmal nachgefragt wurde), aber ohne Bedenken dürfen wir auf seinen Humor bauen. Er verfehlt nur die, die kein Herz haben. Wichtigtuerei, sie war ihm ein Graus – und so hätte ihm das Ganze durchaus behagt. Denn wichtig tat fast niemand, und Sprechblasen blieben eine Ausnahme. Wer tief  im politischen Geschäft ist, entkommt dem, so scheint’s, nur schwer.

Vergnügen dürfte Fontane an den Charakteren gehabt haben, die sich seiner hier annahmen: hier die von ihrer Sache beseelte Frau Barz, der darüber die latente Prüfungssituation völlig vergisst, dort der Neuruppiner Bürgermeister, der immer ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudert und dem das Wort „Fontane“ wahrscheinlich schon Ohrenziehen bereitet, hier der drahtige Herr Zetzsche, regionalpolitisch beschlagen und von vermutlich ewiger Jugendlichkeit, dort Herr Winkler, seriös, erfahren, einem, dem man nichts vormacht, der aber auch anderen nichts vormacht – und endlich Herr Trilcke: eben noch Bewerber um die so verlockend gepriesene Juniorprofessur mit einem Personalarchiv im Rucksack, der die heitere Lust nicht verlieren möchte, obwohl sich harte Lasten auf seine Schultern legen … Der den digitalen Jargon beherrscht und ihn doch so leicht handhabt, dass man dessen Zauber, der ihn erzeugte, zu ahnen beginnt.

Die Stunde verging – und wäre nicht der Mann neben mir gewesen, der keine zwei Minuten ohne iPhone-Kontrolle durchhielt und offenbar beständig Gefahr lief, Wichtiges zu versäumen, dann hätte ich alle eigenen Geschäfte vergessen: und wäre gerne noch in dieser Fontane-freundlichen Gesellschaft geblieben.

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