Todestag kontra Geburtstag. Der Berliner Senat und Fontane.200

„Was macht eigentlich der Berliner Senat zum Fontane-Jubiläum 2019?“ Eine Frage, die angesichts der Potsdam-Brandenburgischen Umtriebigkeit immer wieder gestellt wird. Auch der Vorstand der Theodor Fontane Gesellschaft,

Werbekarte der Theodor Fontane Gesellschaft für das Jubiläumsjahr unter Verwendung eines Porträt-Stichs (Theodor-Fontane-Archiv, Universität Potsdam)

die sich seit einigen Jahren schon mit einem „Fontane-Forum“ um den 200. Geburtstag ihres Autors kümmert, hat diese Frage gestellt – und zwar an die zuständige Stelle: den Senator für Kultur und Europa, Klaus Lederer. Man wisse, dass die Entscheidung des Senats, „das Fontane-Jubiläum 2019 nicht in den Mittelpunkt kulturpolitischer Aktivitäten zu stellen“, angesichts anderer gewichtiger Anlässe gefällt wurde, möchte aber doch nachhaken. Ob es sich „nicht doch in hohem Maße“ empfehle, „diesem Ereignis größeres Gewicht beizumessen“? So heißt es im Schreiben an den Senator vom 13. April 2018. Um ein Gespräch wurde gebeten, Unterstützung aus den engagierten Fontane-Kreisen der Gesellschaft angeboten. Der Brief, den man nicht zu verübeln bitte, sei „Zeichen einer Sorge“.

Die Antwort des Senators ließ auf sich warten, aber nicht lang. Ende Mai lag sie, verfasst am 25. Mai 2018, auf dem Tisch: freundlich im Ton, politisch im Gestus, diplomatisch-zurückhaltend in der Sache. Man habe „natürlich […] hier im Haus überlegt, wie wir seinen [Fontanes] 200. Geburtstag in Berlin würdigen. […] In Abstimmung mit den Beteiligten“ sei jedoch entschieden worden, „dass Berlin 2019 das Bauhaus-Jubiläum in den Fokus seiner Aktivitäten nehmen wird“ – und das sei auch „frühzeitig kommuniziert“ worden. Dabei erinnerte man sich an 100. Todestag 1998 – und diese Erinnerung an Ausstellungen und viele Veranstaltungen beruhigte, so scheint’s, die Senatoren- und Senatsseele. Man habe für den 200. Geburtstag Fontanes gerne der „Kollegin Frau Dr. Münch in Brandenburg die Federführung überlassen“.

Bauhaus kontra Fontane, Todestag kontra Geburtstag: Wer so abwägt, wagt sich weit vor – und wird, so steht zu befürchten, im Fontane-Jahr 2019 einigermaßen verloren dastehen. Der Hinweis auf eine Sonderausstellung der Stiftung Stadtmuseum Berlin im März 2019 wird die Gemüter, die Fontanes Rang und Bedeutung für Berlin gewürdigt sehen wollen, kaum beschwichtigen. Und ein Senator, der befürchtet, „dass unter meiner Regie nur sehr vereinzelte Projekte in Berlin entstehen würden, die dem bunten Strauß der Ereignisse in Brandenburg nicht ganz das Wasser reichen könnten“, wird nicht nur wegen dieses verunglückten Satzes mit Kritik und Kopfschütteln rechnen müssen.

Was hier ins Feld geführt und gegeneinander ausgespielt wird, hat wenig miteinander zu tun. Sich für das eine engagieren, muss das andere nicht ausrangieren – oder fort-delegieren. Wer hindert den Senator, sich einmal und konzentriert mit all denen in der Stadt zu treffen, um an einem Tisch zu beraten, was „Fontanopolis“ – wie Berlin von Ernst Heilborn (1867-1942) beziehungsreich tituliert worden ist – im Jubiläumsjahr für seinen vielleicht bedeutendsten Schriftsteller auf die Beine stellen kann. Die Theodor Fontane Gesellschaft steht bereit – und allein steht sie nicht: Aus dem Literarischen Colloquium Berlin kommen Signale, aus der Berliner Linden-Universität, aus Schulen auch und, alles andere als gering zu schätzen, aus zahlreichen literarischen Foren und Zirkeln. Indes: Das Ganze benötigt das kulturpolitische und -fördernde Band, es bedarf einer Hand, die die Fäden hält – von Amts wegen, aber doch vielleicht nicht nur. „Der Lederer? Bloß Castorf, bloß Ex-Volksbühne? Ne, ne, Du, der legt sich ins Zeug auch für einen wie Fontane, total!“ Wäre das nicht die Antwort …?

 

3 comments

  1. Auch wir, die Fontane – Freunde aus Berlin – Buch , haben versucht die Aufmerksamkeit des Kultursenators auf unser Fontane – Projekt zu lenken.
    Seine Antwort hatte die gleiche grosse Geste. Schwach fuer Berlin. Doch
    Hoffnung fuer Buch, denn er schreibt, „dass alle Fragen der Unterstuetzung
    des Vorhabens bei Bezirksbuergermeister Soeren Benn in guten Haenden
    liegen „. Wir glauben das auch ! Und wenn es was wird, dann „kann ich ver-
    suchen daran teilzunehmen „, hat uns Dr. Klaus Lederer am 21. Juni 2018
    versprochen.
    “ Und wahre dir den vollen Glauben
    An diese Welt trotz dieser Welt.“ ( Th. F. )

  2. Es ist nicht tröstlich, dass es anderen in dieser Hinsicht ebenso in Berlin ergeht. Wir wohnen am Rande des Berliner Tiergartens und haben mit großem Bedauern die proprietäre Entscheidung Berlins zur Kenntnis genommen. Also haben wir uns aufgemacht und einen Kalender gefertigt, der die Dichter und Komponisten zeigt, die die Berliner in der Vergangenheit dort geehrt haben, in dem sie ihnen Standbilder gesetzt haben. Logischer Weise sehen wir den 200. Geburtstag Fontanes als Eröffnung, auch wenn er erst im Dezember 2019 seinen runden Geburtstag feiern wird. Mit dem Großen Tiergarten Berlin „Von Dichtern und Komponisten“ wollen wir als Berliner Fontane, Goethe, Lessing, Lorzing, Wagner, Beethoven, Mozart, Haydn, Brahms, Rousseau, Friedrich II., aber auch das deutsche Volkslied trägt zum Geschichtsbild der Berliner und Deutschen mit bei, gedenken, auch wenn Berlins Senat an der Stelle Brandenburg den Vortritt lässt, rufen wir alle Berliner auf, zeigt dem Rest der Welt, dass Berlin mehr als Jahresevents vertragen kann.
    p.s. Die kleine Stadt Quedlinburg im Harz feiert im nächsten Jahr 1100. Königskrönung, 30. Mauerfall und 25. Jahre UNESCO Welterbestadt, erstaunlich was sich eine Gemeinde leisten kann( „Quedlinburg ganz nah“)

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