Zum ersten Mal Fontane lesen – Wo fängt man da an?

Fontane. Den meisten Leuten ist der Schriftsteller dem Namen nach wohl bekannt.
Bei mir zum Beispiel ist es so: Wann immer Namen wie Goethe, Schiller und andere fallen, muss ich in Assoziation stets auch an Fontane denken; Alles verstorbene Schriftsteller, die noch heute Einfluss haben und unbestritten Literaturgeschichte geschrieben haben. Doch bedeutet auch dies, dass es Klassiker gibt. Klassische Literatur, die man „gelesen haben muss“. Und so hat es nunmal bei Fontane seine Richtigkeit, dass zu irgendeinem Zeitpunkt der Schullaufbahn etwas aus seiner Bandbreite gelesen werden soll. Nun war das bei mir persönlich jedoch nicht der Fall. Aus unerfindlichen Gründen, die sich mir fünf Jahre nach meinem Schulabschluss sowieso nicht mehr erschließen lassen, sind Werke wie Effi Briest oder ein paar (alle) seiner Gedichte einfach an mir vorbeigeglitten.

Was nun also tun, wenn man grundsätzlich an klassischer Literatur interessiert ist und noch dazu für den Fontane-Blog schreibt? Sich die verschiedenen Handlungsbeschreibungen bei Wikipedia durchlesen? Sich Gedichtinterpretationen von auf Google zufällig erscheinenden Gedichten ansehen, nachdem man nach „Fontane Gedichte“ gesucht hat? Ja, ich schätze, das kann man machen. Es wäre wohl ein Anfang. Doch soll genau das nicht mein Anfang sein. Meine Beziehung zu Fontane möchte ich anders in die Wege leiten: Ich möchte etwas von ihm Verfasstes in meinen eigenen Händen halten und zuhause gemütlich lesen können.
Ein Buch möchte ich kaufen und mache mich daher auf den Weg zu einem Buchladen.

Ein erstes Buch Fontanes kaufen

Mit „Ein Buchladen“ habe ich mich tatsächlich sehr nüchtern ausgedrückt; Der Buchladen ist über drei Stockwerke hoch und hört auf den Namen Dussmann. Dussmann steht selbstbewusst an der Friedrichstraße inmitten von Berlin an einer Kreuzung. Beige, rot und nicht zu übersehen. Ich betrete den Laden mit der festen Erwartung, hier mein erstes Buch von Fontane zu finden – und zu kaufen! Der Laden ist groß genug, ein mehr als vollständiges Angebot seiner herausgegebenen Schriften sollte es hier ja wohl geben.

Doch was weiß ich schon von Vollständigkeit bezüglich Fontanes Werken, wenn ich doch so wenig über seine Literatur Bescheid weiß?

Zielstrebig laufe ich auf die Abteilung „Klassische Literatur“ zu, die sich gleich rechts im Erdgeschoss des Riesenshops befindet. Fontane ist schnell gefunden, denn natürlich sind die Autoren nach Nachnamen sortiert. Und tatsächlich nehmen Fontanes  Werke genauso viel Platz ein wie die von Goethe: ganze zwei Regalbretter.

Bestimmte Titel fallen mir sofort ins Auge: Effi Briest, was praktisch jeder um mich herum mal in der Schule lesen musste; Irrungen, Wirrungen, worüber so viele Leute sagen, dass es gewiss einer der Fontane-Klassiker und noch dazu nett zu lesen sei; Der Stechlin, den ich im Vorbeigehen schon öfters mal gesehen habe und natürlich Fontanes Reiseberichte, auf die sich Kommilitonen gerne im Gespräch beziehen. Es gibt noch mehr und ich bin anfangs leicht überfordert. Nehme ich ein Buch, über welches ich schon viel gehört habe oder eines, das ich völlig unvoreingenommen lesen kann?
Ich entscheide mich für erstere Möglichkeit. Es hat schließlich meistens einen Grund, weshalb über gewisse Romane mehr gesprochen wird als andere.

Ich nehme zuerst Irrungen, Wirrungen in die Hand, dann Effi Briest.
„Eine Liebe, innig und kurz. Dann bricht die Außenwelt ein, und es ist vorbei. Pragmatisch ziehen Botho und Lene einen Schlussstrich. Ein Roman von Muttersöhnchen, Duckmäusern und denen, die erst noch glauben, ohne Liebe leben zu können“, steht auf dem Buchrücken der Fischer Taschenbuchverlag-Ausgabe von Irrungen, Wirrungen. „Eine »Berliner Alltagsgeschichte« um 1875. Ein junger Baron verliebt sich in die Näherin Lene, die seine Gefühle erwidert. Die Standesunterschiede scheinen überbrückbar. Doch die herrschende Moral duldet keine Verbindung.“, heißt es hingegen auf der Rückseite der dtv-Ausgabe. Dazu gibt es einen Kommentar des Germanisten Hans-Heinrich Reuter.

Irrungen, Wirrungen. Fischer Taschenbuch Verlag.
Irrungen, Wirrungen. dtv Verlagsgesellschaft.
Bei dem Werk Effi Briest hingegen scheint es um Rebellion, Ehebruch und eine 17-jährige Protagonistin zu gehen.
Während zwei Verlage mit ihren Ausgaben von Fontanes Romanen zu konkurrieren scheinen, ist von lyrischen Sammelbänden umso weniger die Spur. Ein paar vereinzelte stehen mal hier, mal dort; Einsam zwischen denen sich wiederholenden bekannten, bzw. mir noch unbekannten, Abhandlungen.
Irrungen, Wirrungen – dieses Buch halte ich länger in meinen Händen, denn dass es auch noch ein Portrait Zu Fontanes Person, seinem Leben, seinem Werk im Buch gibt finde ich gut. Den Preis von 7,50 € sowieso.
Doch ich zögere. Fontane war mir immer mehr als ein Dichter in Erinnerung geblieben und nicht als Verfasser heute noch so wichtiger und einflussreicher Romane.

Ich stelle das Buch an seinen alten Platz zurück und laufe zielstrebig zum Aufzug, Richtung dritter Stock, Richtung Reclam Bibliothek, mit einem bestimmten Ziel vor Augen. Näher und näher kommt mir die riesige gelbe Wand entgegen, dann die einzelnen Bücher und schließlich die Wörter, Titel, Autoren. H..G..F… Fontane! Und dick und mittendrin: „Theodor Fontane: Gedichte“. In dem Paratext der ersten Seiten oder auf dem Buchrücken steht nichts von der Vollständigkeit der gesammelten Gedichte, doch für den Anfang soll es reichen.

Ich blättere die Seiten durch, überfliege ein paar der Verse. Es fühlt sich richtig an. Dies soll es sein, mein erstes Buch von Fontane …

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