Klaus-Werner Haupt: Theodor Fontane interessiert mich vor allem als Journalist und (Kunst-)Kritiker

Die folgenden sieben Fragen unserer Interviewreihe werden regelmäßig von Fontane-Freunden beantwortet und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Leser und Förderer Theodor Fontanes lenken und die zum anderen zeigen, wie lebendig sein Leben und Werk auch heute sind. 

Wer sind Sie und was machen Sie?

Mein Name ist Klaus-Werner Haupt, zu Hause bin ich in Spremberg/Spree-Neiße-Kreis. Als Lehrer war ich mit meinen Schüler*innen oft auf den Spuren der Klassiker in Weimar unterwegs. Im Ruhestand widme ich mich weiteren Persönlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts, unter ihnen der Wegbereiter der Weimarer Klassik Johann Joachim Winckelmann oder der Gartenkünstler und Schriftsteller Hermann Fürst von Pückler-Muskau. Theodor Fontane interessiert mich vor allem als Journalist und (Kunst-)Kritiker.

Was ist Ihr Bezug zu Theodor Fontane?

Fontane begleitet mich seit meiner Jugend – zunächst als Balladendichter, später als Romancier. Als Brandenburger begeistern mich natürlich seine Wanderungen durch die Mark. Und der Spreewald ist gewissermaßen mein Naherholungsgebiet.

Warum ist Theodor Fontane heute noch aktuell?

Theodor Fontanes Interesse an Land und Leuten, seine Beobachtungsgabe, seine Sprachschöpfungen und seine Lebensweisheiten faszinieren die Leser bis heute. Erinnert sei hier an die Aktualität der Ballade Das Trauerspiel von Afghanistan. Im Sommer 1852 und von 1855 bis 1859 war Fontane als Korrespondent in Großbritannien unterwegs. Längst wieder am Schreibtisch in Berlin, berichtete er als sogenannter unechter Korrespondent von Ereignissen „aus London“. Manche bezeichnen ihn deshalb als den „Pionier der Fake News“, allerdings haben diese Ereignisse tatsächlich stattgefunden!

Was von Theodor Fontane haben Sie zuerst und was zuletzt gelesen?

Als Schüler las ich von Fontane zuerst John Maynard und die Balinesenfrauen auf Lombok, dann die Balladen Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland und Die Brück´ am Tay. Es folgte der Roman Effi Briest, erst später Auszüge aus den Wanderungen durch die Mark Brandenburg. Angeregt durch das Medieninteresse an Theodor Fontanes 200. Geburtstag widmete ich mich vor allem Sachtexten, las aber auch den Roman Frau Jenny Treibel. Darin lenkt der eremitierte Gymnasialdirektor Distelkamp das Gespräch vom allgemein Kulinarischen auf die „kulinarische Persönlichkeit“ von Pückler-Muskau, für ihn ein „Musterbeispiel des modernen Aristokratismus“. In den Wanderungen Fontanes spielt der Fürst mehrfach eine Rolle.

Ihr Lieblingszitat von Theodor Fontane?

Neben unzähligen Wortschöpfungen Fontanes gefällt mir dieses Zitat aus seinem Roman Der Stechlin: „Alles Alte, soweit es Anspruch darauf hat, sollen wir lieben, aber für das Neue sollen wir recht eigentlich leben.“

Welches Buch über Theodor Fontane empfehlen Sie anderen?

Im Jubiläumsjahr 2019 sind viele Biografien erschienen, die Fontanes Werden und Wirken veranschaulichen und deuten. Während noch diskutiert wird, ob London geht oder bleibt, gab der Bertuch Verlag Weimar meine Studie LONDON KOMMT! Pückler und Fontane in England heraus. Das Buch beinhaltet neben kurzem Werdegang vor allem die Englandreisen der Protagonisten und endet im Jahre 1860. Eine Leseprobe findet sich hier.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.weimar-lese.de

 

Fotos: (c) Klaus-Werner Haupt

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