„Bilder und Geschichten“: Die 2. Fontane-Ausstellung ist eröffnet

Noch ist das Jackett nicht getrocknet, das Hemd klamm und Zeitungspapier in den durchnässten Schuhen: Als nach der Neuruppiner nun die zweite Fontane-Ausstellung des Landes Brandenburg ihre Eröffnung feierte, segnete der Himmel das märkische Land mit einer Regenflut.

Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (© Hagen Immel/BKG)

Da eilten Regenschirme dem Potsdamer Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (Kutschstall, Am Neuen Markt 9) zu, ein seröser Herr kämpfte mit seinem Schlips, eine vornehme Dame sah verärgert auf ihr beschmutztes schwarzes Kleid, der Autofuhrpark erinnerte an eine Fahrzeug-Messe. „Bilder und Geschichten“ heißt die von Dr. Christiane Barz kuratierte Ausstellung, und auch sie soll dem märkischen Land zum Segen gereichen: Im fontane.200-Jahr muss man sich fragen, was wäre dieses Land ohne seinen Sänger Fontane? Er hat ihm eine Prägung verliehen, an der sich auch noch das Kümmerlichste dieser Region, die ja auch Kummer zur Genüge kennt, aufrichtet.

Der Saal füllt sich rasch, aufgeräumte Menschen, die nach den immer dichter stattfindenden Fontane-Ereignissen längst bei vertraulichen Umgangsformen der Begrüßung angekommen sind, sehen sich um. Sind auch alle da? Ja, da sitzt der Leiter des Theodor-Fontane-Archiv, Prof. Peer Trilcke, dessen gelassen-kluge Umsicht in diesem Jahr nicht mit Gold aufzuwiegen ist, dort Dr. Kurt Winkler, der als Direktor des Hauses die Grußworte sprechen wird, da schreitet mit natürlicher Würde die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes, Dr. Martina Münch, nickend an den Reihen entlang, unzählige Mitglieder der Theodor Fontane Gesellschaft sind über den ganzen Raum verteilt, angereist aus dem Umland, ja sogar aus Leipzig und München. Ihr Ehrenpräsident, Prof. Dr. Hubertus Fischer, plaudert frohgemut nach rechts und links, André Förster, Verleger des vbb (verlag für berlin-brandenburg) schüttelt den reichlich vertretenen Autorinnen und Autoren seines Hauses die Hand, und mal hier, mal dort sieht man die Kuratorin, freundlich-patent Auskünfte erteilend und Sympathie stiftend. Es ist ihr Tag, sie weiß es. Sie weiß auch, er kann verunglücken. Die launische Madame „Presse“ ist unberechenbar. Wehrlos, wer sich ihr ausgeliefert fühlt, willfährig, wer um ihre Gunst ringt, und wie im Himmel, wer sie erringt.

Aber jenes Damoklesschwert schwingt noch weit oben, die unmittelbare Gegenwart führt Regie. Der Ablauf – gänzlich unangestrengt, die Reden – weitgehend unprätenziös, das Auftreten – selbstbewusst. Man hat etwas auf die Beine gestellt, da lässt man keinen Zweifel. Dass die eine und der andere zu wissen glaubt, was Fontane zu alldem gesagt hätte, ach, an diesem Tage fällt der Übermut nicht ins Gewicht. Nachdem Frau Dr. Barz in der ihr ganz eigenen unbefangenen Weise – beflügelt von spürbarer Freude an der Sache selbst – eine pointierte Einführung gegeben hat, strömt alles hinein in die Ausstellung. Alles? Nein, ein kleiner Trupp bleibt zurück, dem Gedränge zu entgehen und die günstige Gelegenheit zu nutzen für ein kühles Getränk. Und wer unbedingt bei diesem aufs Ganze gesehen so nett gestalteten Auftakt ein Haar in der Suppe finden möchte: Dass das Land den Eingeladenen nicht ein Glas Wein oder Saft zu spendieren vermochte, das ist – na, schlagen wir bei Fontane nach, wie er’s gefunden hätte … Der guten Stimmung tut das keinen Abbruch, überall freundliche Gesichter, überall Gesprächslaune, an Stoff keinerlei Mangel. Die Zeit verfliegt, Pflichten rufen. Rasch sammelt man noch Flyer, entdeckt dabei die Anzeige „Fontane.on location. Eine Filmtour an die Drehorte der Romanverfilmung“, nimmt sich fest vor, auch dort dabei zu sein – und muss doch noch auf Siebenmeilenstiefeln wenigstens einen Blick in die Ausstellung werfen.

Der viel zu flüchtige Gang, er hinterlässt das unbedingte und schöne Gefühl: Hier musst Du mit Notizbuch, Stift und einem gehörigem Quantum Zeit noch einmal ran. Ausstellungsstücke vom Feinsten, eine gut geordnete Präsentation, abwechslungsreich das Gebotene von der Handschrift über Porträts und Karten bis hin zu einem Tintenfass, zu besehen auf der berühmten Altersfotografie und – im Original. Alles ebenso sinnlich wie lehrreich, historisch wach und offen gegenüber Gegenwärtigem. Gerade der Geschichtssinn, der sogar bei diesem schnellen Durchschreiten auffällt, unterscheidet die Potsdamer von der Neuruppiner Ausstellung. Darüber ist nachzudenken. Doch nicht jetzt, nicht hier. Die Heimfahrt, gemütlich verregnet in abendlicher S-Bahn, gehört dem Katalog. Auch er auf dem ersten Blick ein Muster seiner Gattung, nicht zu dick, nicht zu bebildert, gediegen. Auf dem Titelblatt: die zauberhafte Zeichnung des Wanderers Fontane in der Rückenansicht von August von Heyden! Stimmig auch das.

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