Mit Fontanes Romanen auf einer Zeitreise durch Berlin – Die Ausstellung „Fontanes Berlin“ im Märkischen Museum

Vor einiger Zeit erhielt ich mit einem Seminar eine Führung durch die Ausstellung  „Fontanes Berlin“ im Märkischen Museum von der Kuratorin Bettina Machner, der Sammlungsbetreuerin der literaturgeschichtlichen Abteilung des Märkischen Museums. Dieser Artikel leistet einen Rückblick meines Besuches.  

Hochverehrter Herr, 

der Beifall, den Sie meinem Buche „Larenopfer“ zollen bereitet mir große und innige Freude, zumal er von Ihnen, verehrter Meister, kommt. Nur muss ich einen Irrtum beseitigen. Sie haben, hochwerter Herr, durch meinen zweiten Vornamen verleitet, in mir eine Dame gesehen; dies ist nun nicht der Fall. […]

Der junge Rainer Maria Rilke, der noch seinen Geburtsnamen René trägt, richtet diese Zeilen in einem undatierten Brief an Theodor Fontane, welcher die unbeschriebene Rückseite für Notizen benutzt. Ein Zeichen des Papiermangels sowie ein Zeichen der Arbeitsweise Fontanes. 

Laut Bettina Machner verbrachte Fontane dreiviertel seiner Zeit mit dem Korrigieren. So dachte er neu, strich aus, schrieb um, formulierte anders. Die ausgestellten Autographen und Manuskriptskizzen veranschaulichten exemplarisch den dynamischen Schreibprozess Fontanes. Fontanes Arbeitsweise gleicht einem heutigen copy-and-paste; ganze Textpassagen schnitt er aus und klebte sie an anderer Textstelle wieder an. So korrespondieren Vorder- und Rückseite häufig nicht. Zum Beispiel findet sich auf der Rückseite eines Manuskriptblattes des vierten Kapitels von Frau Jenny Treibel eine Lageskizze von Quitzöwel, einer der Orte, die Eingang in Fontanes Wanderungen durch die Mark Brandenburg gefunden haben

Stadtmuseum Berlin, Reproduktion: Lageskizze von Quitzöwel
Stadtmuseum Berlin, Teil des Ausstellungsraums mit Bildern von Lorenz Kienzle

Die nächsten Räume präsentierten Fotografien von Lorenz Kienzle, die Berlin in der Zeit zwischen 2002 und 2019 abbilden. Arrangiert waren sie nach den Romanen Fontanes und mit einem zum Ort passenden Zitat geziert. Historische Schwarzweißfotografien Berlins kontrastierten das gegenwärtige Berlin. Insgesamt 130 Altberliner Fotografien zeigten die vielen Facetten des Berlins, in dem Fontane lebte und wirkte. Während Heinrich Zille das urbane Leben besonders eindringlich festhält, fängt der Fotograf Otto Rau den Tiergarten in melancholischer Schönheit ein.

Die Ausstellung bot außerdem einen Einblick in den Prozess der Restaurierung und der Digitalisierung von Fontanes handschriftlichem Nachlass. Ein Ausblick, der „die Zeitreise“ im übertragenen Sinn sogar bis in die Zukunft fortsetzt.

Die vielen Exponate haben mich gänzlich begeistert. „Fontanes Berlin“ folgte dem erfolgreichen Motto Wohnorte, Arbeitsorte, Romanorte vermischen. Ein Motto, das vor allem von der Lebendigkeit des schriftstellerischen Werks Fontanes lebt. Wohnhaft in Berlin, ist es ein Privileg, die vielen beschrieben Orte Fontanes täglich nachvollziehen zu können. Auf jene Entdeckungsreise werde ich mich, bekräftigt durch diese Ausstellung, immer wieder gerne begeben. 

Interessierte, die einen Besuch nicht wahrnehmen konnten, steht das Buch zur Ausstellung zur Verfügung:

Das Buch zur Ausstellung
Ein Einblick in das Buch

 

Fotos von Elke Beerhalter und der Autorin. Für die Genehmigung zur Veröffentlichung der Bilder danken wir dem Stadtmuseum Berlin.

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