„Du siehst, es bleibt mit mir beim Alten“ – Fontane doch ein Liebesdichter?

Es war ein schöner Sonntagnachmittag. Draußen war es mild und langsam, aber stetig kündigte sich der Frühling an. Ich saß an meinem Schreibtisch und war bereit, den Tag produktiv zu starten, als mein Blick an dem Gedichtband hängen blieb, den mir meine Mama vor einiger Zeit schenkte – Die schönsten deutschen Liebesgedichte. Oh glücklich, wer ein Herz gefunden. Ich konnte nicht anders und musste einen Blick reinwerfen, Uni konnte jetzt warten!

Natürlich schaute ich als meine erste Amtshandlung nach Theodor Fontane und ob auch er in diesem Gedichtband vertreten war. Und siehe da, ich wurde fündig! Theodor Fontane in einem Gedichtband der schönsten Liebesgedichte, ich musste unweigerlich sofort an einen Artikel aus dem Fontane Blog denken, der Theodor Fontane als Herzensmann beleuchtet.

Wo, Was, Wer?

Jetzt aber erst einmal Schritt für Schritt, wo wird dieser Gedichtband denn überhaupt verlegt, was gibt es sonst noch für Werke in diesem Verlag und wer ist denn eigentlich die Person, die entscheidet, wer ein Teil der schönsten deutschen Liebesgedichte sein darf?!

Der Gedichtband ist in dem „Anaconda Verlag“ veröffentlicht worden. Neben den verschiedensten Romansorten, wie Liebesromanen, Abenteuerromanen oder Sportromanen, verlegen sie auch Sachbücher, Kinder- und Jugendbücher, sowie Werke rund um Lifestyle und Gesundheit.

Und eben auch dieser schöne Gedichtband, in dem Theodor Fontane vertreten ist. Ich muss jedoch gleich zu Beginn eine Kleinigkeit anmerken. Der Anaconda Verlag setzt darauf, seine Bücher für jedermann zugänglich zu machen. „Preiswerte Bücher in hochwertiger Ausstattung, die für jeden Geschmack und für jeden Geldbeutel Gutes und Lesenswertes bieten, dafür steht Anaconda. Klassiker von namenhaften Autoren wie Mark Twain, Jane Austen […]“. Klassiker der Weltliteratur, daraus besteht unter anderem das Programm des Verlags.

Einerseits toll, die Möglichkeit zu haben, so günstig Bücher zu erwerben, andererseits aber auch schwierig, denn zitierfähig sind diese Texte nicht. Zu dem Gedichtband ist leider kein Abdruckverzeichnis zu finden. Woher genau sie das Gedicht von Fontane nun also haben, bleibt uns unklar. Dies ist nur eine kleine Anmerkung. Sollte man vorgehabt haben, aus diesen Texten zu zitieren, nehme man sich dafür lieber Ausgaben, in denen man nachverfolgen kann, woher die Texte stammen. Wenn man sich einfach nur von den schönen Gedichten treiben lassen will, schaut man über diese kleine Anmerkung vielleicht einfach hinweg.

Das Wo und das Was wären also schon einmal geklärt, aber das Wer noch nicht. Wer ist die Person, die diesen Gedichtband und viele weitere verlegt?

Kim Landgraf, Programmleiter des Anaconda Verlags, ist ebendiese Person. Aus der Gedichtbandreihe hat er unter anderem Gedichte von Wilhelm Busch, Christian Morgenstern und Else Lasker-Schüler verlegt, alle unter dem Motto „Die schönsten Gedichte“ und „Die schönsten deutschen Gedichte“.

Die Gedichtband-Reihe

Dieser Gedichtband ist nur einer von vielen. Es sind Gedichtsammlungen von Rainer Maria Rilke, Christian Morgenstern oder Joachim Ringelnatz zu lesen. Alles Autoren, die für ihre außergewöhnlichen lyrischen Werke und Fähigkeiten bekannt sind. Sehr interessant! Eine Sammlung von Werken Theodor Fontanes zu finden, erscheint mir als eher unwahrscheinlich, trotzdem versuche ich mein Glück und siehe da – Wo sich Herz zum Herzen findt. Das Fontane-Brevier. Theodor Fontane ist hier zwar nicht mit seinen Gedichten vertreten (das konnte man sich ja eigentlich auch schon denken), aber „zahlreiche Fundstücke aus Tagebüchern und Briefen“ kann man in diesem Werk erkunden.

Im Gegensatz zu der Gedichtbandreihe, wurde diese Sammlung von Jan Strümpel herausgegeben.

„Du siehst, es bleibt mit mir beim Alten“

Seite 134: „Du siehst, es bleibt mit mir beim Alten“. Ich freue mich und lehne mich in meinem Stuhl zurück!

Als ich das Gedicht zu Ende gelesen habe, umspielt ein Lächeln meine Mundwinkel, ich bin überzeugt, viel mehr noch, ich bin hin und weg! Theodor Fontane, der Realist, lässt ein solch lebhaftes, buntes Gedicht zum Leben erwecken! Es ist persönlich, reflektiert und offenbart seine innersten Gefühle.

Schon die erste Strophe zeigt die Tiefe und Verletzlichkeit des Gedichtes:

Du siehst, es bleibt mit mir beim Alten,
Trotz mancher bittern Neckerei;
Versprechen – und Versprochenes halten –
Ist mir noch immer zweierlei.

Weiter offenbart er sich und seine Unsicherheiten, sein Unperfektsein, dass – wenn es um seine Liebe geht – auch der sprachgewandte Autor an seine Grenzen stößt:

Ich habe sechs Mal Platz genommen,
Sechs Mal die Feder zugestutzt,
Doch was mir in den Sinn gekommen,
War immer dumm und abgenutzt.

Gleichzeitig beschreibt er, wie seine Liebe auch seine Inspiration darstellt:

Schon höhnt‘ ich mich und all solch Wissen,
Als mir ein Kraftgedanke kam
Und ich die ‚Sehnsucht, dich zu küssen‘,
Zum Stoffe meines Briefes nahm.

Endgültig eingenommen von dem Gedicht wurde ich schließlich bei der letzten Strophe:

Kaum aber hatt ich angefangen,
Packt‘ ich schon lächelnd wieder ein;
– Ein Kuss – dies mündlichste Verlangen –
Muss mündlich vorgetragen sein!

Ich musste schmunzeln und fasste mir, ohne dass ich es merkte, ans Herz! Was für ein schönes Ende, für so ein weiches Gedicht, das von so viel Hingabe und Liebe spricht, die Unsicherheiten und Schüchternheit nicht auslässt, nur um dann zum Schluss zu der Gewissheit und der Vertrautheit zurückzukehren.

Fontane, der verkappte Herzensmann

Dass ich auf dieses Gedicht Fontanes gestoßen bin, war reiner Zufall. Umso schöner fand ich es, wie sehr es mich ergriffen hat. Aus ihm spricht Ehrlichkeit, Zuneigung und wahre Gefühle. Schade, dass ich nicht schon früher ein solches Gedicht von Fontane entdeckt habe und er leider viel zu wenig für diese Seite an ihm gekannt und wertgeschätzt wird.

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