„Und wo man geliebt wird, da ist´s gut sein…“ – Eine szenische Lesung mit Texten von Theodor Fontane in Hamburg am 28. September 2021

Theodor Fontane und Hamburg-St. Georg. Wie passt das zusammen? Hat sich ein Dokument angefunden, aus dem sich ergibt, dass der Wanderer durch die Mark Brandenburg auch in der Vorstadt St. Georg gewesen ist? Fontane hat sich mehrmals in Hamburg aufgehalten, u.a. bei seinen Reisen nach England, die ihn durch Hamburg führten. Aber der Nachweis über einen Besuch in der Vorstadt St. Georg lässt sich bislang noch führen. Jedoch über eine weitere Lesung aus dem Werk von Theodor Fontane kann berichtet werden. Bereits zum zweiten Mal hat Götz Bolten, ein Regisseur aus Hamburg St. Georg, für die Theodor Fontane Gesellschaft eine szenische Lesung mit Schauspielern erarbeitet und dargeboten. Die Lesung am 28.9.2021 spielte im Salon der Mathilde von Rohr. Und die Veranstaltungsräume im Literaturhotel Hotel Wedina mit dem Stuck aus dem 19. Jahrhundert bildete die passende Kulisse. Ingeborg Kallweit gab eine Mathilde von Rohr, wie sie Theodor Fontane für uns beschrieben hat. Herbert Schöberl spielte den Theodor Fontane ehrfurchtsvoll, aber nicht salbungsvoll und ließ das Besondere dieser Freundschaft zwischen Mathilde von Rohr und Theodor Fontane erklingen. Und so entstand vor unseren Augen ein lebendiges Bild von den abendlichen Zusammenkünften im Hause von Rohr. Für den weiteren Verlauf der Lesung hatte Götz Bolten Texte über die Familie von Rohr aus dem ersten Band der Wanderungen durch die Mark Brandenburg ausgewählt, u.a. die Erzählung vom Akazienbaum, die Aendi Kudszus kraftvoll zu Gehör brachte. Nach der Pause spielte die szenische Lesung am Hofe des Prinzen Heinrich in Rheinsberg mit den Protagonisten der Gräfin La Roche-Aymont und dem Neffen des Prinzen Heinrich, dem sagenumwobenen Louis Ferdinand, gespielt von Sarah Diener und Aendi Kudszus.

Götz Bolten hatte den ausgewählten Texten passende Musik unterlegt. So wird das Geräusch des trockenen Sandes auf dem Weg nach Rheinsberg durch die Einspielung aus den Brandenburgischen Konzerten von J.S. Bach geradezu hörbar. Einer der Höhepunkte der Lesung war mit Sicherheit die Kahnfahrt auf dem Rheinsberger See: die Worte von Theodor Fontane, der nur andeutet und die Musik von J.Ch. Bachs Sinfonia op. 8 Nr. 2, die hörbar macht, was sich wohl abgespielt hat – eindrucksvoll gelesen von Sarah Diener und Aendi Kudszus. Zum Abschluss setzt Götz Bolten einen Kontrapunkt zu Theodor Fontane, in dem er Zeitgenossen über Louis Ferdinand zu Wort kommen, lässt. Goethe, der seine Begegnung mit Prinz Louis Ferdinand anlässlich der „Campagne in Frankreich“ beschrieben hat, sowie Friedrich Buchholz in seiner „Galerie Preußischer Charaktere“ aus dem Jahre 1808: „Die Kunst, nachgeborene Prinzen zu erziehen, wird so lange ein Geheimnis bleiben, bis man die Bestimmung und das Wesen der Fürsten mehr ergründet hat…“

Die Lesung wurde mit reichem Applaus bedacht und der Wunsch nach einer Fortsetzung wurde laut. Die Hamburger Sektion ist schon mit den Vorbereitungen für die nächste Lesung befasst.

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