Eine gewöhnliche Fontane-Woche …

Was wäre ein Leben ohne Fontane? Oder, um genau zu sein: Was wäre mein Leben ohne Fontane? Na, gelinde gesagt ziemlich trostlos. Da riefe keine Pastorin Elisabeth Preckel aus der dem märkischen Beeskow an, um einen kleinen Vortrag zu verabreden und von ihrer Gemeinde zu erzählen. Dr. Walter Kühn, ein ehemaliger Doktorand, jetzt in akademischen Würden an der fernen Universität Koblenz-Landau, meldete sich nicht frohgemut, um mir zu sagen, er habe beschlossen, Mitglied in der Theodor Fontane Gesellschaft zu werden. Vanessa Brandes, die seit kurzem die Geschäftsstelle der Gesellschaft in Neuruppin leitet, klingelte nicht an, um mir von einem Neuruppiner Architekten zu erzählen, der gefragt habe, wie es sich mit Fontane und Städtebau verhalte, ob es da etwas gäbe. Und sie nutzte nicht die schöne Möglichkeit, nachzuhaken, ob ich an das Editorial für die Mitteilungen dächte … Vom Gang zu meinem Postfach käme ich nicht mit einem großen Umschlag zurück, der Fotografien von der Jahrestagung der Thoedor Fontane Gesellschaft enthielte mit freundlichen Zeilen von Monika Stoye, die die dortige Sektion seit vielen Jahren auf wundersame Weise am Leben erhält. Geburtstagslisten blieben unbedacht – und keine Ahnung hätte ich, dass Günter Rieger, der in Neuruppin einen kleinen Verlag mit viel „Fontane“ pflegt und hegt, ins achte Lebensjahrzehnt getreten ist. Da meldete sich auch kein Sektionsleiter aus Süddeutschland, um den TFG-Vorstand aufzufordern, eine kleine Pressemappe anzulegen: die sollte Informationsblätter versammeln wie etwa zu „Fontane und sein Antisemitismus“. Und wüsste ich, dass in Bad Saarow stetig eine Fontane-Gemeinde heranwächst, die für das nächste Jahr bereits einen Veranstaltungskatalog  vom Feinsten beisammen hat?

Nein, allemal nein. Denn – um nur das letzte Beispiel heruaszugreifen – ich wäre nicht zu einem Fontane-workshop nach Friedrichshagen eingeladen worden, um mit Berliner und Brandenburger Schriftstellerinnen und Schriftsteller über Fontane zu rden – und hätte so auch nicht Wolf D. Hartmann kennen gelernt. Der nämlich hat mit Gertrud Zucker, Lutz Storr und Till Sailer eine AG Fontaneprojekt ins Leben gerufen. Da wird der Rundfunk erfahrene Till Seiler Günter Eichs Hörspielbearbeitung von Fontanes Unterm Birnbaum vorstellen, im Literaturkabinett wird es eine Fontane-Ausstellung geben und am 13. April 2019 öffnet ein Fontane-Literaturpark, zitaten-gespickt.  Buchpublikationen sind geplant, und sogar ein – hört, hört! – neuer Fontane-Likör ist am Brauen. Wolf D. Hartmann war gerade in Świnoujście (Swinemünde, dem Fontane in Meine Kinderjahre ein literarisches Denkmal gesetzt hat – siehe seinen Fontane-Blog-Beitrag), um dort ein wenig „Fontane-200“ zu wetterleuchten. Das sind keine ganz leichten Missionen. Die Geschichte des vergangenen Jahrhunderts wirkt fort. Schön wäre es, wenn nun doch ein Brückenschlag im anstehenden Jubiläumsjahr gelänge. Vor bald zehn Jahren war Hellmut Hannes Auf den Spuren Theodor Fontanes in Swinemünde: Ein Stadtrundgang durch Swinoujscie (Schwerin: Thomas Helms 2009).

Damit nicht genug: Wolf D. Hartmann hat – gewissermaßen nebenher – auch noch ein Büchlein verfasst mit dem vieldeutigen Titel Fontanes Wanderung ins Nichts. Ein humoristischer Reiseführer mit chinesischem Flirt (Cottbus: Regia-Co-Work 2018, 144 S. mit zauberhaft-fröhlich-frechen Zeichnungen von Gertrud Zucker). Dass amzon den Titel auf seiner Angebotsseite verhunzt, nimmt diesem mit leichter Hand geschriebenen Reisebüchlein rund um den Scharmützelsee nichts von seinem Vergnüglichen. Der Verfasser lädt denjenigen, der die Belegstelle findet, in der, vielfach behauptet, Fontane den Scharmützelsee als ‚märkisches Meer‘ adelt, umgehend zu einem Riesling ein …

Was wäre mein Leben ohne Fontane? Was eine Woche, in der  so ein bunter Reigen mir nicht Halt und Inhalt gäbe? Richtig: schlechterdings nichts!

 

 

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