Fontane für die Hosentasche – ein Aperitif, der Appetit macht

Zum Fontane-Jahr präsentiert auch der kleine Berliner Steffen Verlag eine Palette einschlägiger Produkte: die Aquarelle von Hans-Jürgen Gaudeck (2 Bände), die Aphorismen-Sammlung Das Herz läßt sich nicht zwingen mit Illustrationen von Jutta Mirtschin und nun einen Hosentaschen-Fontane, um den es hier gehen soll. Lars Franke, der Autor oder Herausgeber dieses Bandes, man weiß nicht recht, wie man ihn nennen soll, hat bereits eine ganze Reihe von Büchern im Steffen Verlag publiziert, haupt­sächlich populäre Darstellungen zu historischen Themen.

Der Band tendiert mehr zum Geschenk­buch als zum Ratgeber. Das kleine Format weist darauf hin wie der Reihencharakter. Scharf­züngiges zu Leipzig und Erquickliches über Dresden wird in weiteren Bänden der Reihe offenbart. Als ziemlich störrisch erweist sich der Einband des Büchleins, ein kräftiger weißer Papp-Band mit Leinen-Optik, der die auf starkem Papier gedruckten Seiten zusammenhält. Auch nach vielem Blättern und beharrlichem Lesen ist das Büchlein nur mühsam von dem Bestreben abzubringen, von selbst zuzuklappen. Es lässt sich einfach nicht offen halten. Als wolle es sich lieber nicht lesen lassen. Schließlich steht es auf dem Tisch wie ein Pfauenrad-Kunstwerk aus Papier. Wettertauglich dürfte dieser Einband auch nicht sein. Das ließe sich vielleicht auf der nächsten Radtour ausprobieren, etwa auf dem Fontane-Radweg, auf dem 2019 angeradelt werden soll. Wenn der Band überhaupt ins Reisegepäck kommt. Da man als Radler alles selbst schleppt, muss man bei der Auswahl besonders streng vorgehen. Es ist gar nicht so einfach, den passenden Reiseführer auszusuchen. Hier ist alles schön eng beisammen. Frankes Fontane für die Hosentasche ist ein kleiner, mit Charme und Chuzpe zusammen­getra­ge­ner Reiseverführer, ein Reader von ausgewählten Fontane-Texten über populäre Wanderun­gen-Orte. Der Blick geht über den mit Berlin und Brandenburg abgesteckten geographischen Rahmen hinaus auch in die Nachbar­regionen Anhalt und Neumark, letztere heute ein Teil von Polen. Allerdings enthält der Band verhältnismäßig wenig an aktuellen, selbst recherchierten oder erwanderten Informationen. Neue Kutscher-Moll-, Landpastoren- oder Schloßherren-Gespräche mit Leuten, die heute hier sind, findet man nicht auf den störrischen Seiten. Auch nützliche Tips oder praktische Hinweise enthält das Büchlein nicht. Es ist offensichtlich, diese Auswahl eignet sich nicht für mein Rad-Reisegepäck. Sie enthält vor allem Dinge, die man sowieso schon weiß. Aber für mich ist das Buch vielleicht auch gar nicht gemacht, sondern für Leser, die sich anregen lassen wollen zur Lektüre von Fontanes Reiseschriften und zu eigenen Erkundungszügen in die Umgebung Berlins. Und dies mag dieser Reiseführer leisten wie die kritischste Ausgabe sämtlicher Wanderungs-Texte, oder vielleicht sogar noch ein kleines bißchen besser. Es ist ein Vorhäppchen, ein Aperitif, der Appetit macht, mehr nicht.

Lars Franke: Fontane für die Hosentasche. Auf den Spuren Theodor Fontanes durch Berlin und Brandenburg. Berlin: Steffen Verlag 2018.  14,5 x 9,5 cm, 155 S., Pp, ISBN 978-3-948683-98-3 –. 10 €.

One comment

  1. Danke für die nützlich-kritischen Hinweise zum Buch, das Erinnern an Fontanes Kutscher Moll, dessen Grab in Glienicke noch gepflegt wird, und der Fontane von Fürstenwalde aus über das damalige Dorf Saarow (heute Bad Saarow) an den Scharmützelsee und weiter fuhr.
    Vor allem auch Danke für die feine Ironie, die das Lesen vergnüglich macht!
    Wolf Hartmann

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