Das Fontane-Fieber ist ausgebrochen – im Buchhandel.

Das geplante Projekt wildfremde Menschen in einer Fontanestraße anzusprechen und sie nach dem Namensgeber zu befragen, begrabe ich hiermit, auch aus Zeitgründen.

Es lohnt sich mehr, so meine kürzlich gewonnene Überzeugung, als Prophet zum Berg zu gehen, als in unbekannten Gefilden herumzutapsen.  Wobei der Berg in diesem Fall die Natura Buchhandlung in Kleinmachnow ist, genauer gesagt der Fontane-Bücher-Berg, der in einem mittig positionierten Tisch eine sehr große Anzahl von Titeln zum „märkischen Goethe“ – wie Kurt Tucholsky Fontane in seinem Aufsatz im Berliner Tagblatt am 27. Dezember 1919 anlässlich des bevorstehenden 100. Geburtstages nennt – aufgebaut hat. Mir fallen sofort andere Jubilare und Jubiläen ein, mit denen Verlage und Fernsehsender mit gleicher Marketingstrategie Umsätze zu generieren erhoffen. Das Muster ist zu augenscheinlich, und leider auch zu einfallslos, als dass es nicht bemerkt wird. Ich lese: Fontanes Sommerfrische, Fontanes Frauen, Fontanes Ehe, Fontanes Familie, Fontanes Theaterkritiken, Fontane Aphorismen, Fontanes Birnen, Fontane Romane, Fontane Biographien aus unterschiedlichen Perspektiven und Themenschwerpunkten. Die Buchhändlerin bestätigte mir, dass dies erst der Anfang sei und im Verlauf des Jahres noch viel mehr dazu käme. Ob sich die Hoffnung der Verlage nach Fontane-Umsätzen im Fontane-Jahr in der Höhe wie erhofft mit der immer gleichen Idee erfüllt, wird sich zeigen. Ich bin skeptisch.

Im Angesicht dieser opulenten Präsentation ärgere ich mich, dass ich ohne Smartphone unterwegs bin und für unseren Blog kein Foto vom Bücherberg machen kann, der für eine kleine Buchhandlung wirklich erstaunlich ist. Die Buchhändlerin, wir kennen uns seit 20 Jahren, bestätigt auf meine Frage, dass sie kein Smartphone besitzt. Wir unterhalten uns noch, weil ich das Buch von Iwan-Michelangelo D’Aprile empfehle, falls Kunden bei der großen Auswahl unentschlossen sind und sich für diese besondere Art einer Biografie interessiert zeigen, da dreht sich ein Kunde um und sagt „ich kann das Foto für Sie machen, kein Problem“ und gleichzeitig nimmt er das von mir empfohlene Buch und legt es zur Kasse. Er wird es kaufen. Gesagt, getan, als ich zu Hause war, war auch das Foto in meinem Email-Postfach. Und ich habe natürlich im kurzen sich anschließenden Gespräch mit ihm für unseren Fontaneblog Werbung gemacht. „Ah, Humboldt-Universität“, ja, Sektion Literaturwissenschaften unter Anleitung von Prof. Dr. Berbig, Sie können die Blogbeiträge lesen und gern kommentieren, ergänze ich. Mit einem Lächeln verabschieden wir uns und ich danke an dieser Stelle sehr herzlich für die „Assistenz“ bei meinem Fontane-Enthusiasmus.

Der wächst, je mehr ich mich mit Fontane beschäftige, gekauft habe ich diese vier Bücher: Unterm Birnbaum, von atb, weil ich durch Felix‘ Blogbeitrag neugierig auf den Krimi wurde; Theodor Fontane – Da sitzt das Scheusal wieder Die besten Theaterkritiken, Aufbau Verlag, herausgegeben von Debora Helmer; Theodor Fontane – Die schönsten Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Fischer Klassik, ausgewählt und mit einem Nachwort von Günter de Bruyn und last but not least Theodor Fontane – Das Herz lässt sich nicht zwingen Aphorismen, Steffen Verlag, mit Bildern von Jutta Mirtschin. Leider ist dem Verlag eine Doppelung eines Aphorismus durchgerutscht und zwar „Götzendienst ist schlimmer als Unglaube“ aus Der Stechlin einmal auf Seite 43 und ein zweites Mal auf der Seite 53. Zu empfehlen ist dem Verlag eine alte PR-Weisheit: wenn das Geld für einen Korrektor oder eine Korrektorin eingespart wird, gib‘ den Text einer Person, die ihn noch nie gelesen hat. In der Regel lassen sich solche Ungenauigkeiten dann vermeiden. Dieser Lapsus schmälert jedoch meine Idee nicht, dieses Minibüchlein als Beigabe zu einem Blumenstrauß zu verschenken, und so über die Hintertür Fontane in Erinnerung zu rufen oder das Interesse zu wecken im Bücherregal nachzuschauen, ob es Zeit ist, ein Buch von ihm noch einmal zu lesen. Ingeborg Ruthe hat dies mit Effi Briest zu nächtlicher Stunde getan und darüber in der Berliner Zeitung Rubrik Unterm Strich am 16. Januar berichtet. Gelegenheit Buch und Blumen zu verschenken findet sich.

Es melden sich mein Hang zur Statistik und zur Recherche während ich diesen Text schreibe. Vielleicht spreche ich mit der Buchhändlerin und frage sie ob es möglich ist, mir und damit uns Fontane-Bloggern Anfang Dezember die konkreten Verkaufszahlen für die einzelnen Titel zu sagen. Daraus könnte eine leidenschaftliche Studentin oder ein leidenschaftlicher Student andere oder neue Marketingideen für Editionen zu Jubiläen entwickeln. Wie sagt Franz oft, wenn er seine auf Fortsetzung hin geschriebenen Blogbeiträge beendet „es bleibt spannend“.

 

P.S. Antwort auf die Copyrightfrage wegen des Fotos:

Liebe Frau Beerhalter, ich freue mich, dass ich Ihnen einen behilflich sein konnte. Auch wenn mein Interesse mehr auf dem Gebiet der Mathematik liegt, haben Sie mich durch Ihre erkennbare Leidenschaft doch neugierig gemacht und ich werde versuchen, Ihren Fontaneblog zu besuchen.

 

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