Fontane light und wohldosiert – Fünfte Dosis

Von Vitrinen, Widrigkeiten und technischen Spielereien

Von viel gelbem Papier und leichter Irritation meinerseits (13:15 – 14:00)

Treppenhaus im Stadtmuseum Neuruppin
Um eine Vorstellung vom alten, durchaus erhaltenswertem Holz zu geben, weswegen wir auch gerne schwitzten.

Im nächsten Raum war es vorbei mit der angenehmen Kühle, wir befanden uns nun im alten Teil des Neuruppiner Stadtmuseums und mussten feststellen, dass aufgrund des alten Mobiliars und der alten Holzverkleidungen und Treppen, generell des historischen Gebäudes zu Liebe, die Räume nicht auf angenehme 21 Grad Celsius runtergekühlt werden konnten. Also mussten wir uns jetzt mit knackigen 28 Grad arrangieren, ohne Lüftchen, denn Zug tut dem Gebäude auch nicht gut. So standen wir dann in einem Raum, der den Füllwörtern Fontanes gewidmet war, symbolisiert wurden die von ihm am häufigsten verwendeten durch gelbe überdimensionale Post-It-Stapel, die jeweils mit einem Wort bedruckt waren. Diese Zettel konnte man abreißen, beliebig kombinieren und als Andenken mitnehmen. Das fand ich dann doch etwas zu viel des Guten: die Unmengen an Papier, die benutzt wurden, um die Notizbücher im vorherigen Raum ordentlich in Szene zu setzen, in Verbindung mit diesen Notizblöcken. In Zeiten von Fridays-For-Future-Demonstrationen, zunehmenden Diskussionen über den problematischen Ressourcenverbrauch der Industriestaaten und einem generellen Umdenken hin zu nachhaltigerem Wirtschaften war dies ein fragwürdiger Ansatz. Diese Zettel wandern doch sicherlich sofort in den Müll, wenn der Besucher das Haus verlassen hat, spätestens jedoch, wenn das Fontane-Jahr rum ist.

Wortneuschöpfungen Fontanes
An dem Bild lässt sich gut mein Geisteszustand ablesen, ich kann nicht mehr ganz rekapitulieren, warum ich dieses Foto aufgenommen habe.

In den nachfolgenden Räumen sollte es sich nun rächen, dass wir nicht doch eine kleine Pause vorher eingelegt hatten, um uns mit Muffins und Sekt zu stärken, die Wärme forderte ihren Tribut, sodass diese Räume nur an mir vorbeizogen. Sie hatten wieder was mit Worten zu tun, zusammengesetzten und neugeschöpften, sofern mich mein hitzegeplagtes Hirn nicht täuschte. Dadurch, dass sich sowohl Thema als auch Farbgebung nicht wirklich veränderten, war es schwer, die Räume, die dem Raum der Papierverschwendung folgten, auseinanderzuhalten. Einzig der letzte, der sich im Erdgeschoss befand und dementsprechend etwas kühler war, blieb mir wieder in Erinnerung. Dort waren ein paar Utensilien, mit denen Fontane gearbeitet hatte, ausgestellt, unter anderem ein kleines Geduldsspiel, mit dem sich der Schriftsteller während seiner Denkpausen beschäftigte. Das alles war auf einem schreibtischähnlichen Gebilde arrangiert, dieses Gebilde hatte die gleichen Maße wie Fontanes Schreibtisch, der allerdings nicht mehr existiert.

Ich finde solche Devotionalien immer ein bisschen albern, insbesondere dann, wenn das eigentliche Stück nicht mehr da ist und man nur den Schein von Originalität wahren kann. Dass Fontane an einem Schreibtisch gearbeitet hat, überrascht einen nicht wirklich, insofern ist die Entscheidung, diesem Aspekt seines Arbeitens einen ganzen Raum zu widmen, ein wenig banal. Wenn die Macher der Ausstellung zum Beispiel herausgefunden hätten, dass Fontane „Effi Briest“ schaukelnd im Nachbargarten konzipierte, da hätte mich dann auch der Nachbau nicht weiter gestört, denn dass eine Schaukel sich erhält, ist fast ein Ding der Unmöglichkeit.

Alles in allem gefiel mir der Ansatz, dass die Ausstellung als Endlosschleife gedacht war, also dazu anregen konnte, Fontane neu zu entdecken. Weniger überzeugend fand ich die Grundidee, nur seine Sprache in den Fokus zu rücken. Das Rad wurde hier sicher nicht neu erfunden, aber es lässt sich entspannt und durchaus auch lehrreich durch die Räume wandeln, vor allem wenn man Fontane tatsächlich als Vergnügen betrachtet.

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