Fontane light und wohldosiert – Vierte Dosis

Von Boxen und Bändern (12:20 – 12:50)

Von Vitrinen, Widrigkeiten und technischen Spielereien (12:50 – 13:15)

Zweiter Raum
Etwas dunkel, aber die Essentials sind zu erkennen, zentral die Vitrine und rechts in der Ecke der Tisch mit den Briefen zum Spielen.

Der nächste Raum wurde von einer riesigen Vitrine dominiert und wenn ich sage riesig, dann meine ich das auch. Alle Mitglieder unserer Expedition hätten dort problemlos drinnen oder darauf Platz gefunden und wir hätten auch gern noch mehr sein können. Das Glasungetüm von Vitrine war mit diversen Notizbüchern Fontanes gefüllt, sodass man einen Eindruck davon bekommen konnte, wie der Romancier sich Notizen gemacht hatte. Das war insofern interessant, als ich zum Beispiel lernte, dass Fontane auch sehr gerne zeichnete und viele seiner Schauplätze skizzierte, um sie dann besser beschreiben zu können. Auch wenn das nicht uninteressant war, so wunderte es uns doch, wegen ein paar Notizbüchern so ein Monstrum von Vitrine in diesen Raum zu stellen. Die Erklärung ließ nicht lange auf sich warten, denn Frau Schneider machte uns auf die Schwierigkeiten aufmerksam, die es mit sich bringe, eine Ausstellung in einem vorhandenen und bespielten Museum zu konzipieren und in die bestehende Möblierung zu integrieren. An sich haben sie das sehr hübsch gelöst, nur leider machte ihnen die empfindliche Natur der gut 100jährigen Notizbücher einen Strich durch die Rechnung. Um sie sich wirklich intensiv angucken zu können, war es schlicht zu dunkel in dem Raum. Zumindest sah es aber hübsch aus, wie die Notizbücher auf kunstvoll gestapeltem, blütenweißen Papierstapeln arrangiert waren.

Um so mehr hat uns die technische Spielerei begeistert, die etwas stiefmütterlich in der Ecke des Raumes stand, obwohl sie unserer Meinung nach das Highlight der ganzen Ausstellung war. Bei ihr handelte es sich um einen weißen Tisch, der in Verbindung eines über ihm angebrachten Projektors und QR-Codes dem Besucher ermöglichte nachzuvollziehen, wie Fontane seine Briefe entwarf. Das klingt zunächst weniger kompliziert, als es tatsächlich war, denn Fontane, der jedes freie Zipfelchen auf dem Bogen verwendete (von dieser Sparsamkeit hätte sich die Ausstellung eine Scheibe abschneiden können), sodass einige seiner Briefe wie Schnitzeljagden auf Papier anmuteten. Um sie richtig lesen zu können, musste man sie falten, in eine bestimmt Richtung drehen und blättern, sodass allein der mechanische Vorgang, diese Briefe zu lesen, großen Spaß machte. Hinzu kam, dass die Briefe transkribiert waren, sodass auch Besucher, die der Deutschen Kurrentschrift nicht mächtig waren, ihre Freude daran haben konnten. So verbrachten wir eine vergnügliche Viertelstunde damit, die Briefe zu drehen, zu lesen und zu entschlüsseln, bis es Zeit war, den nächsten Raum aufzusuchen. Erwähnt werden sollte, dass dies besonders die Briefe Fontanes an seine Kinder betraf!

Von viel gelbem Papier und leichter Irritation meinerseits (13:15 – 14:00)

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