Ring-Vorlesung: Humboldt-Universität und Theodor Fontane Gesellschaft

Die Theodor Fontane-Ringvorlesung an der Linden-Universität, die den würdigen Namen der Brüder Humboldt trägt, ist angelaufen – und findet, wie schön, Zulauf. Jeden Mittwoch um 16 Uhr strömt eine heitere Schar in die Dorotheenstraße 24 Haus 1, R 101, sucht sich ihr Plätzchen und ist gespannt, wer heute ihnen und was von Fontane erzählt. Vorbereitet und veranstaltet wird sie vom Institut für deutsche Literatur gemeinsam mit der Theodor Fontane Gesellschaft. Es ist die dritte ihrer Art und die dritte auch in diesem Verbindung: Die erste sah sich angesichts der Jahrtausendwende zu einer gefächerten Bestandsaufnahme und einem prognostischen Ausblick herausgefordert, die zweite, Sommersemester 2010, fragte nach Ansichten und Aussichten der Fontane-Forschung mit Blick aus Institutionen und Personen. Während die Beiträge der ersten Ringvorlesung publiziert worden, war es Anliegen der zweiten, eben jene Personen und Institutionen miteinander zu verbändeln und Gemeinsames zu stiften. Ein Fontane-Forum ergab sich daraus, es hatte nicht unwesentlichen Anteil an den vielgestaltigen Formen, die das Fontane-Jahr 2019 so anziehend machen.

So verpönt „und“-Titel sind, hier mildert das Prinzip und lockt die Kopplung: „Fontane und  …“. So flaggt die dritte Vorlesungsreihe. Dem „Und“ folgen Stichworte wie literarische Vereine, Preußentum, Reisen, Erzähl- und Verskunst, Literatur- und theaterkritik, Medien und zum Abschluss ein gewagtes „Fontane und … Fontane“.  Dass im Auditorium mehrere Generationen Fontane-freundlich vereint sind, hat – so darf vermutet werden – mit dem Autor von Frau Jenny Treibel oder Irrungen, Wirrungen und dem Poet jenes legendären Herr Ribbeck-Gedichtes zu tun. Dessen Werkprofil ist derart eckig und kantig und steckt voller schriftstellerischer Farbigkeit, in dem das Licht vergangener Zeiten sich bricht mit dem unserer Gegenwart. Je älter Fontane wurde, umso jünger schien er.

Auch der Referenten-Kreis ist von Altersstufen geprägt. Viel akademisches Leben liegt zwischen dem seit einem Jahrzehnt emeritierten Ehrenpräsidenten der Theodor Fontane Gesellschaft, Prof. Dr. Hubertus Fischer, und Dr. Philipp Böttcher, der vor nicht allzu langer Zeit seine ausgezeichnete Dissertation über Gustav Freytag in einer stattlichen Publikation vorgelegt hat. Gestern hielt Dr. Nils C. Ritter – wie Böttcher an der Organisation mitbeteiligt und interdisziplinär profiliert – einen höchst originellen Vortrag über Archäologisches bei Fontane. Obwohl „Berlin“ überwiegt, sind auch Gäste aus der Ferne eingeladen, etwa Frau Dr. Regina Dieterle aus Zürich, die nach langen intensiven Recherchejahren eine sehr stimmige Fontane-Biographie veröffentlicht hat, oder Frau Prof. Dr. Christine Haug, die an der Ludwig-Maximilians-Universität in München ungemein erfolgreich ein Zentrum für Buchwissenschaft (Buchforschung – Verlagswirtschaft – Digitale Medien) aufbaut.

Die letzte Vorlesung, am 10. Juli 2019, verlässt den akademischen Hörsaal und begibt sich unter das Dach der Französischen Friedrichstadtkirche (Gendarmenmarkt). Dort ist die hugenottische Gemeinde beheimatet, Fontanes waren ihr verbunden – hier wurde konfirmiert, getraut und getauft. Mit einigen literarischen Gelegenheitsarbeiten hat sich der Dichter ihr dankbar erwiesen. Und es war ein französisch-reformierter Pfarrer, der Theodor Fontane die Grabrede hielt

Diese Ringvorlesung ist öffentlich. Wer Lust, Laune, Zeit und Neugier auf ein buntes Fontane-Angebot hat, ist herzlich willkommen. Nach den etwa einstündigen Vorträgen besteht beste Möglichkeit für Diskussion und Gespräch. Berlin, Universität und Fontane: Hier erfahren sie ein gutes Miteinander.

 

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