Neuruppin & Th. Fontane. Ein Buch für jedermann

Verleger sind eine Species für sich. Ohne sie keine Bücher, ohne Bücher nicht sie. Ihre Verlage sind, glückt, was sie anstreben, Markenzeichen. Wie alle Marken müssen sie sich auf dem Markt unterbrechungslos behaupten. In dem sie beständig literarisch Bedeutendes präsentieren oder sich beständig für bedeutsam erklären. Beides birgt Risiken und bringt Großes hervor – und kann es jedenfalls. Warum Verleger resp. Verlegerinnen, in der Regel umgeben von klugen Warnern und Abratern, vom Büchermachen nicht lassen können, ist nicht leicht zu erklären. Kulturauftrag ja, Berufung jaa, Liebe zum Gegenstand jajaja – aber, aber … Jetzt rückt sich die Buchwissenschaft den Stuhl zurecht: „So, mein Lieber, lässt sich das nicht verhandeln. Nehme doch nur den Begriff Verlag! Was passt da nicht alles drunten, was deckt er nicht alles ab. Über einen Kamm zu scheren, liebt der Stammtisch. Seriös ist das nicht.“ Das leuchtet ein, wie auch anders. Und schon sieht man sich um – und freut sich über die Maßen, fällt das Auge auf die so bunte Schar deren, die sich auf das Büchermachen eingelassen haben: mit Leib und Seele.

Warum schreibe ich das? Weil es nach wie vor Verleger gibt, die, statt zu jammern und zu klagen, einfach nur ihrem Metier nachgehen: mit Würde, mit Sachverstand, mit handwerklichem Können – und mit Liebe zu Sache. Es will sich gut fügen, dass gleich zwei Namen zu nennen sind, die gut ins Fontane-Jahr passen und bestens in die Geburtsstadt des Schriftstellers. In Neuruppin betreiben Günter Rieger und Peter Pusch kleine Verlage vom Feinsten. Gerade hat sich Rieger beim Zustandekommen der „Fontane trifft Knesebeck“-Ausstellung in Karwe hervorgetan und ein mehr als nur gefälliges Begleitbuch in seinem Verlag gedruckt, da zieht Peter Pusch in seinem Verlag nach. Die Publikation, die er soeben aus seiner Druckerei geholt hat, trägt den Titel Neuruppin und Fontane. Eine Dokumentation. Auf dem Buchcover ist statt des Namens Fontane die Portätzeichnung von Ismael Gentz (1862-1914) abgedruckt – und darunter gesetzt: „Ein Buch für jedermann“. Pusch hat das Buch mit zahllosen Abbildungen, an denen man sich nicht sattschauen mag, selbst herausgegeben. Das Inhaltsverzeichnis erhellt das Vorgehen. Es listet viele vertraute Autorennamen auf, die sich über lange Wegstrecken mit Neuruppin und der Familie Fontane in dieser märkischen Herzstadt befasst haben. Vornehmlich aus dem Geist regionaler Geschichtsforschung. So entdecken wir den hinlänglich vertrauten Namen von Lisa Riedel und – natürlich mehrfach – den von Horst Erdmann. Pusch hat Arbeiten aus vielen Jahren versammelt, manche hat man noch in guter Erinnerung, vieles aber längst vergessen.

Peter Pusch: Neuruppin und Fontane. Eine Dokumentation. Regional-Verlag Ruppin 2019.

Die Themenliste genügt, um das Profil weiter zu verdeutlichen. Da wird Neuruppin als „Zufallsheimat von Fontane“ verhandelt, wir werden mit Titel wie „Fontane und das Konservationslexikon“ gelockt oder einem gewagten wie etwa „Theodor Fontane – wie er wirklich war“ (Zitatsammlung von Zeitgenossen). Das Fontane-Denkmal von Max Wiese wird in Wort und Bild aufs Schönste im historischen Wandel beleuchtet (von Helmuth Behrendt, 2007), und Georg Peters Artikel „Fontane-Häuser in Neuruppin“ aus der Märkischen Volksstimme vom 31. März 1963 liest sich nach wie vor mit Gewinn.

Es ist eben die Entscheidung, Historisches mit Gegenwärtigem zu verknüpfen, ein in jeder Hinsicht buntes Stadt-und-Fontane-Bild zu bieten, dass dieser Veröffentlichung so gut zu Gesicht steht. Sie Text- und Bildauswahl zeigt, wie vertraut Peter Pusch mit seinem Gegenstand ist, wie liebevoll er über die Jahrzehnte gesammelt hat und wie offen er allem ist, was sich in seiner Stadt mit Fontane verbindet.  Der Abschnitt „Fontane A – Z“, gedruckt auf anderem Papierfarbton, ist eine Verbeugung vor der Betriebsamkeit der Gegenwart. Wir begegnen vielen Menschen aus Neuruppin, die, wer einmal mit ihnen zu tun hatte, in freundlichster Erinnerung behält: seien es die Gesichter von Ilona Kolar und Ernst Karlipp, deren Buchhandlung Legende ist, sei es die wunderbar-Fontane-Festspiel-umtriebige Uta Bartsch oder sei es der Leiter des Rheinsberger Kurt-Tucholsky-Literaturmuseums, Dr. Peter Böthig, hier einmal als Auktionator mit weißen Handschuhen.

In dieser gelungenen Veröffentlichung ist Neuruppiner Fontane-Gedächtnis in Wort und Bild archiviert. Die Lust zu blättern, will nicht nachlassen, die Freude am Lesen hält an. Dem Verleger Peter Pusch einen kleinen Dankesstrauß auf den Arbeitstisch – und dem Buch eine dankbare Leser- und Käuferschaft!

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